Regen treibt Urlauber in die Museen

Steht nicht nur bei Kindern hoch im Kurs: das Quallen-Aquarium im Multimar Wattforum in Tönning.
Foto:
1 von 2
Steht nicht nur bei Kindern hoch im Kurs: das Quallen-Aquarium im Multimar Wattforum in Tönning.

Schauer, Wind und niedrige Temperaturen – davon profitieren Sehenswürdigkeiten, die man sich drinnen anschauen kann

shz.de von
30. Juli 2015, 08:07 Uhr

Das ungemütliche Wetter treibt die Urlauber und Besucher in Schleswig-Holstein scharenweise in Museen und andere wetterfeste Attraktionen. Mit 2300 Gästen sei am Dienstag ein „absoluter Spitzenwert“ erzielt worden, berichtete gestern etwa Alina Claußen vom Multimar Wattforum in Tönning in Nordfriesland. „Die Leute standen teilweise bis nach draußen an. Der war gigantisch, der Ansturm.“ Der Rekord aus einem früheren Jahr liegt bei 2800 Besuchern an einem Tag.

Für das heutige Sommerfest anlässlich des 30-jährigen Bestehens des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer wünsche man sich trotzdem kein schlechtes Wetter. Das wäre „gar nicht so praktisch“, befand Claußen, zu voll würde es dann nämlich werden. „Wir sind nicht nur eine Schlechtwetter-Alternative“, betonte Claußen. Auch draußen gebe es etwas zu sehen. Bei der Nolde Stiftung Seebüll freut man sich ebenfalls über sehr gute Besuchszahlen. „Wir profitieren tatsächlich“, vermeldeten ebenso die Museen der Söl'ring Foriining auf Sylt, zu denen das Altfriesische Haus in Keitum gehört. Bei extrem schlechtem Wetter gingen die Menschen zwar gar nicht vor die Tür, sei es jedoch windig mit gelegentlichen Schauern, verzeichne man „sehr gute Besucherzahlen“, sagte Museumsleiterin Dörte Ahrens. Dienstag etwa sei ein „hervorragender Spitzentag“ gewesen.

„Sobald wir aufmachen, geht es bei uns derzeit los, und um 19 Uhr müssen wir die letzten Besucher rausfegen“, berichtet Melanie Steur-Fiener vom Sylter Erlebniszentrum Naturgewalten. Auch die angebotenen Wattwanderungen würden trotz Regen mehr als sonst nachgefragt. „Wir müssen die Führungen aufstocken. Die Leute wollen sich auch bei diesem Wetter gern bewegen.“

In Schleswig bemerkt man ebenfalls positive Effekte der hohen Luftfeuchtigkeit. „Regenwetter ist ideales Museumswetter, das bekommen wir bei der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen deutlich zu spüren.“ In Kombination mit den Sommerferien sorge das Wetter für lange Schlangen, die bis vor die Tür reichen. „Der Parkplatz ist voll, die Autos parken schon um das Schlossgelände herum“, heißt es bei der Stiftung. „In unserer großen internationalen Sonderausstellung in der Reithalle ‚Von Degen, Segeln und Kanonen. Der Untergang der Hedvig Sofia‘ sind ab mittags alle Audioguides ausgeliehen, so groß ist der Andrang dort.“

Im Wikinger Museum Haithabu sei der Parkplatz „brechend voll“, sagte Museumsleiterin Ute Drews. „Der Strom reißt nicht ab. Wir haben keinen Tag unter 1000 Besucher, manchmal kommen an die 2000.“ Familien strömten ins Museum, seien aber auch für einen Besuch des Freigeländes gut ausgerüstet. Derzeit sind die Wikingerdörfer bewohnt. „Die Wikinger leben da, und es ist offensichtlich spannend, bei Regenwetter an die Tür zu klopfen“, berichtete Drews. Drinnen säßen die Bewohner am offenen Herdfeuer. „Romantisierende Vorstellungen“ von der Wikingerzeit hätten angesichts der Kälte, die durch Ritzen dringt, keine Chance. „Jetzt kann man mal erleben, wie hart das Leben war.“

Von merklich mehr Zulauf in den vergangenen Tagen spricht Ingrid Kühl, Aufsicht im Kieler Schifffahrtsmuseum. „Zeitweise war es richtig voll im Laden – und auch auf den Schiffen draußen an der Museumsbrücke haben sich viele Leute gedrängt. Uns kommt das Wetter gut zu pass.“

Im Industriemuseum Elmshorn gebe es derzeit „Massen an Besuchern“, sagt Peter Russ vom Museumsservice. „Die Wetterbedingungen sind deutlich spürbar, es kommen viele Leute von weit her hier zu Besuch.“ Dies bestätigt Astrid Frevert, Direktorin des Textilmuseums Tuch und Technik in Neumünster. „Die Urlauber kommen von den Küsten und aus anderen Ferienorten, kürzlich hatten wir hier französischsprachige Einträge, wir nehmen das mit Freude zur Kenntnis.“ Vielleicht liege das an der zur Zeit laufenden Sonderausstellung Europian Art Quilts zum Thema Textilkunstwerke. „So ein Sommer ist für das Museum gut und macht sich deutlich bemerkbar gegenüber dem letzten viel wärmeren Sommer.“

Auch dem Europäischen Hansemuseum in Lübeck hat das schlechte Wetter mehr Besucher beschert. Am Montag sei es doppelt so voll gewesen wie eine Woche zuvor, sagte Sprecher Meino Hauschildt. Es hätten sich Warteschlangen bis nach draußen gebildet.

Guido Hanslik von der Flensburger Wissenschaftsausstellung Phänomenta sieht hingegen keinen Unterschied zu anderen Sommertagen: „Die Phänomenta ist nicht direkt wetterabhängig, es kommt eher auf die Ferienzeiten an“, so der Sprecher. Man habe durchgängig gleich bleibende Besucherzahlen. „Ein bisschen hängt der Zustrom auch von Sonderausstellungen ab.“ Aktuell läuft in der Phänomenta ,Effekthascherei’ über das Verblüffendste aus der Welt deutscher Science-Center und Technikideen.

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen