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Kunst : Rätsel um Motiv eines Feininger-Bildes gelöst

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Erst schien es klar, dann war es umstritten, jetzt ist es bewiesen: Das Gemälde des deutsch-amerikanischen Malers Lyonel Feininger (1871-1956), das im Lübecker Museum Behnhaus hängt, zeigt eine kubistisch verfremdete Lübecker Straßenansicht.

Lübeck | Zuvor waren Kunsthistoriker jahrelang davon ausgegangen, dass das Bild eine Straße in der Altstadt von Lüneburg zeigt. „Die Gewissheit zum Motiv, die wir in einem einjährigen Forschungsprojekt gewonnen haben, ist nicht nur von lokalgeschichtlicher Bedeutung. Wir haben auch Neues über Feiningers Arbeitsweise erfahren“, sagte Museumsleiter Alexander Basteck.

Als ein Lübecker Privatsammler 1986 das Bild kaufte und es dem Behnhaus als Dauerleihgabe zur Verfügung stellte, schien noch alles klar. Sammler, Museum und offenbar auch die Erben des 1956 gestorbenen Malers gingen davon aus, dass das in leuchtenden Farben gehaltene Ölgemälde eine Lübecker Altstadtstraße zeigt. Der Blick geht eine leicht geschwungene Straße hinauf, die von stattlichen gotischen Giebelhäusern gesäumt wird. Am Ende ragt verschwommen ein Kirchturm empor. „Mit Hilfe des Stadtarchivars haben wir inzwischen herausgefunden, dass es sich um die Schmiedestraße handelt, die allerdings nach 1945 ihr Gesicht stark verändert hat“, sagte Basteck.

Zweifel kamen 2002 auf, als der Kunsthistoriker Ulrich Luckhardt eine Zeichnung entdeckte, die das gleiche Motiv wie das Gemälde zeigte, aber den Titel „Lüneburg, 1929“ trug. „Da stand für mich fest, dass auch das Gemälde nicht Lübeck, sondern Lüneburg zeigen müsse“, sagte Luckhardt, der als Feininger-Spezialist gilt.

Das wollte der Sammler ebenso wenig glauben wie der Leiter des Behnhauses. Deshalb gaben sie ein Forschungsprojekt zur Geschichte und zum Motiv in Auftrag. „Schließlich hatte der Besitzer noch von den Söhnen Feiningers erfahren, dass das Bild in der Familie immer als Lübeck-Ansicht gegolten habe“, sagte Basteck.

Die rund ein Jahr dauernden Nachforschungen ergaben schließlich, dass Feininger 1921 und 1922 norddeutsche Städte wie Hildesheim, Lübeck und Lüneburg bereiste. Dabei fertigte er „Naturstudien“, wie er seine Skizzen nannte, an und verwendete sie später als Grundlage für seine Gemälde. „Die Lübecker Studie ist verloren gegangen. Doch aus einem Brief Feiningers an seine Frau geht hervor, dass er die Skizze 1931 zur Grundlage unseres Bildes machte, das er ‚Lübeck. Alte Häuser‘ nannte“, sagte Basteck. 1954 habe Feininger das Motiv dann noch einmal zu einem Aquarell verarbeitet.

Als der Künstler 1933 nach der Schließung des Dessauer Bauhauses nach Berlin zog, musste er einen großen Teil seiner Arbeiten bei dem Kunstsammler Hermann Klumpp in Quedlinburg im heutigen Sachsen-Anhalt zurücklassen. Als die Feiningers 1937 in die USA zurückkehrten, blieben 64 seiner Bilder in Quedlinburg. Erst 1985 gab die DDR-Regierung die Bilder frei. Der 1871 in New York geborene Feininger, der seit 1919 am Bauhaus in Weimar und Dessau lehrte und arbeitete, gehört zu den bedeutendsten Künstlern der Klassischen Moderne.

Das Gemälde, das nun ganz offiziell den Titel „Lübeck. Alte Häuser“ trägt, steht vom 16. November an im Zentrum einer Ausstellung mit dem Titel „Lyonel Feininger. Lübeck-Lüneburg“. Gezeigt werden 42 Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen aus verschiedenen norddeutschen Orten. Sie verdeutlichen, wie der Maler Motive oft nach vielen Jahren immer wieder neu verarbeitet hat.

Museum Behnhaus zur Ausstellung

Biografie Lyonel Feininger

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erstellt am 26.Okt.2013 | 17:47 Uhr

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