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Intendant Christian Kuhnt : Pop und Familie: Warum das SHMF 2015 so erfolgreich ist

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

„Das Prinzip Freiheit“, „keine heiligen Kühe“: Zwei der Gründe, mit denen sich die Rekordzahlen beim Schleswig Holstein Musik Festival erklären lassen.

shz.de von
erstellt am 06.Aug.2015 | 10:02 Uhr

2014 konnte man schon ahnen, dass die Ära Christian Kuhnt beim Schleswig-Holstein Musik Festival (SHMF) eine besondere werden könnte. Gemessen an den verkauften Tickets fuhr der neue Intendant einen Erfolg ein, der alle Festivals vorher in den Schatten stellte. 2015 ist Christian Kuhnt (Foto) kein „Neuer“ mehr. Der Erfolg aber bleibt ihm und seinem Team treu: Mit einer Auslastung von 83 Prozent hat sich das SHMF bereits zur Halbzeit in die Gewinnzone gespielt; vergangenes Jahr waren es am Festival-Ende genauso viel. Ein neuerlicher Rekord ist also vorhersehbar.

Das Schleswig-Holstein Musik Festival ist die größte kulturelle Erfolgsgeschichte Schleswig-Holsteins. Es gilt als eines der bedeutendsten Musikfestivals der Welt. Konzept war von Anfang an, Musik, vornehmlich klassische, an ungewöhnliche Spielstätten zu bringen, die „typisch Schleswig-Holstein“ sind: Höfe, Scheunen oder auch Werften. Hauptinitiator war 1985 der Pianist Justus Frantz.

„Wie macht der das?“, mag man sich fragen. Kuhnt selbst wird nicht müde, auf sein Team und immer wieder auch auf die „vielen Unterstützer“, Helfer, Förderer und Sponsoren zu verweisen: „Sie alle leben die Idee des SHMF und tragen zum Erfolg des Festivals bei.“ Von Festival-Familie ist da oft zu hören. Es ist der Ton, der – laut und öffentlich zu hören – die Musik macht. Kuhnt ist ein den Menschen zugewandter Mann. Das bindet Mitarbeiter, Künstler, auch Publikum, unter das er sich täglich selbst mischt. Und es schafft wirtschaftlichen Erfolg. Ab 70 Prozent Auslastung sei man im schwarzen Bereich, hatte SHMF-Verwaltungsdirektor Burkhard Stein 2014 vorsichtig mit Blick auf die im Vergleich zu 2013 zusätzlich aktivierten Spielorte, das Mehr an Konzerten und die dadurch um 60.000 erhöhte Zahl an Eintrittskarten gesagt. Ein Risiko, das sich gelohnt hat, nicht nur für das SHMF, das sich mittlerweile zu 85 Prozent eigenfinanziert, sondern auch für die Gastronomen und Hoteliers im Land.

„Umwegrentabilität“ heißt das sperrige Wort, mit dem beschrieben wird, ob und wie Kultur sich rechnet. Interessant wird es da vor allem für öffentlich geförderte Kultur, der vielfach nachgesagt wird, dass sie viel Geld koste, aber meist nur von einem elitären Publikum genutzt würde. Mit diesem Stereotyp hat das SHMF bereits 2009 mit einer Studie aufgeräumt. Jeder Euro, den das Land gibt, kommt 2015 fünffach zurück. Und es gibt deutliche Anzeichen dafür, dass mit den Abstechern in den Pop-Bereich neues Publikum generiert wird, das sich dann auch in klassische Konzerte traut – und das nicht nur in die großen Konzertsäle nach Kiel und Lübeck. Man verzeichnet immer häufiger Anfragen nach Anfahrtswegen zu kleineren Spielorten, die erfahrene Festivalbesucher sicherlich kennen, nicht aber SHMF-Novizen.

Gelohnt hat sich offenkundig auch das Prinzip Freiheit, auf dem Kuhnt besteht: Freiheit vom Länderschwerpunkt beispielsweise, mit dem er Freiheit zu größerer Bandbreite geschaffen hat. Interpretenporträt und Komponistenretrospektive, die stattdessen im zweiten Jahr ausgeleuchtet werden, sollen ebenfalls keine „heiligen Kühe“ sein. Das hat der Intendant von Anfang an gesagt.

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