ARD–Sonntagskrimi : „Polizeiruf“: Diesseits und jenseits des Rechtsstaates

Wird in seinen Ermittlungen behindert: Hauptkommissar Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) muss sich mit dem Verfassungsschutz herumschlagen.
Wird in seinen Ermittlungen behindert: Hauptkommissar Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) muss sich mit dem Verfassungsschutz herumschlagen.

Und wieder mischt sich ein Sonntagskrimi zum Thema „Flüchtlinge“ ein.

shz.de von
19. August 2018, 13:00 Uhr

Diesmal muss „110“-Kommissar Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) in jene dunklen Ecken kriechen, die zwangsweise in Zeiten von Migration, Rechtspopulismus und überforderten Sicherheitsapparaten entstehen. In einem Fußgängertunnel der Münchner Innenstadt schlagen vier Jugendliche einen Syrer so brutal zusammen, dass er kurz darauf im Krankenhaus stirbt. Der Grund: Der Syrer hat ein Mädchen belästigt, dem die Jungs „nur zu Hilfe“ kamen. Das behaupten sie zumindest beim ersten Verhör mit Meuffels.

Am lautesten der Halbiraner Farim (Jasper Engelhardt), der so gar nicht in den rechtsradikalen Schlägertrupp zu passen scheint. Doch bevor sich Hanns dem jungen Mann nähern und seine Motive für die Gewaltorgie ergründen kann, grätscht ihm der Verfassungsschutz in Gestalt des schmierigen Peter Röhl dazwischen (Joachim Król).

Röhl scheren die Motive des Jungen einen Dreck. Er „dreht“ Farim im Knast kurzerhand „um“ und heuert ihn als V-Mann an, um Zugang zur Neonaziszene zu bekommen. Ein Himmelfahrtskommando! Auch für Hanns, der mit seinen Ermittlungen Röhls Pläne durchkreuzen könnte. Denn auf den Kampf gegen die Flüchtlingsprobleme folgt nun offenbar der Kampf Behörde gegen Behörde.

Naja, so richtig schlau werden wir nicht aus dem „Polizeiruf“ von Günter Schütter (Buch) und Jan Bonny (Regie). Nur eines wird klar bei all ihren Breitseiten gegen rechtes Gesocks und den bösen, bösen Verfassungsschutz: Die Kacke ist mächtig am Dampfen bei der Migrationsbewältigung. Da drehen nicht nur strammdeutsche Bomberjacken durch, sondern auch so manche Beamte.

Falls dies ein Nachklapp zum NSU-Skandal sein soll (Schlimmer geht’s immer!), dann nur, weil Brandt und das Schauspielensemble durchaus überzeugen und uns wenigstens die Temperatur der Akteure relativ genau vermitteln. So bekommen wir immerhin eine Ahnung, was uns noch blüht im Migrationsclinch.Aber, hey – wir schaffen (auch) das!

„Polizeiruf 110: Das Gespenst der Freiheit“, Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

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