Überraschung in Wien : PKN im ESC-Halbfinale: Europa ist nicht bereit für finnische Punks

Sie wurden hoch gehandelt, die vier geistig behinderten Musiker der finnischen Punkband PKN. Am Ende reichte es nicht fürs Finale. Auch Dänemark ist draußen.

shz.de von
20. Mai 2015, 08:12 Uhr

Wien | Beim Eurovision Song Contest (ESC) hat das erste Halbfinale eine Überraschung gebracht. Die bisher hoch eingeschätzte finnische Punkband Pertti Kurikan Nimipäivät (PKN) mit ihren vier Mitgliedern mit Down Syndrom konnte sich nicht fürs Finale am Samstag in Wien qualifizieren. Europa scheint nicht bereit für ein aufrichtiges und ehrliches Lied. Auf Twitter bleiben harsche Reaktionen über das Ausscheiden daher nicht aus:

<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p lang="de" dir="ltr">Finnland nicht im Finale des <a href="https://twitter.com/hashtag/ESC2015?src=hash">#ESC2015</a> - ganz Europa diskriminiert gnadenlos behinderte Menschen... schlimm, schlimm!</p>&mdash; Fernsehkritik-TV (@fernsehkritiktv) <a href="https://twitter.com/fernsehkritiktv/status/600773751215620096">19. Mai 2015</a></blockquote></center>

<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p lang="de" dir="ltr">Ich habe den Verdacht, dass selbst mit einem guten Song heute keine Band mit Behinderung weitergekommen wäre. <a href="https://twitter.com/hashtag/ESC2015?src=hash">#ESC2015</a></p>&mdash; Julia Probst (@EinAugenschmaus) <a href="https://twitter.com/EinAugenschmaus/status/600778115984535552">19. Mai 2015</a></blockquote></center>

<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p lang="de" dir="ltr"><a href="https://twitter.com/hashtag/ESC2015?src=hash">#ESC2015</a> Im Übrigen: Warum sind alle weinerlichen Weltverbesserungslieder weitergekommen - und die <a href="https://twitter.com/hashtag/PKN?src=hash">#PKN</a> <a href="https://twitter.com/hashtag/FIN?src=hash">#FIN</a> Punker nicht: schwerst übel.</p>&mdash; Jan Feddersen (@JanFeddersen) <a href="https://twitter.com/JanFeddersen/status/600782186179076096">19. Mai 2015</a></blockquote></center>

Die Band formte sich bei einem Musikworkshop eines Behindertenhilfswerks in Helsinki. „Aina mun pitää“ (zu Deutsch: Ich muss immer) war der kürzeste Beitrag mit einer Minute und vierzig Sekunden. Gerockt hat er trotzdem. Das meinen auch Twitterer:

<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p lang="de" dir="ltr">So, Freunde. Finnland. Der normalste, menschlichste, coolste, mutigste Beitrag des <a href="https://twitter.com/hashtag/ESC2015?src=hash">#ESC2015</a>. <a href="https://twitter.com/hashtag/ESC?src=hash">#ESC</a> <a href="https://twitter.com/hashtag/fin?src=hash">#fin</a></p>&mdash; Imre Grimm (@ImreGrimm) <a href="https://twitter.com/ImreGrimm/status/600745549130784768">19. Mai 2015</a></blockquote></center>

Ein Twitterer meint: „Wie kann es sein, dass die beste Band es nicht schafft?“

<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p lang="en" dir="ltr">How come the best <a href="https://twitter.com/hashtag/ESC2015?src=hash">#ESC2015</a> band <a href="https://twitter.com/hashtag/PKN?src=hash">#PKN</a> didn&#39;t make it? <a href="https://twitter.com/hashtag/Finland?src=hash">#Finland</a> <a href="https://twitter.com/hashtag/Fin?src=hash">#Fin</a></p>&mdash; Emiko (@VeLecouteau) <a href="https://twitter.com/VeLecouteau/status/600800360144441344">19. Mai 2015</a></blockquote></center>

Nach dem Votum der Jury und der Zuschauer vom Dienstagabend nehmen am ESC-Finale unter anderem Albanien, Armenien, Russland, Rumänien, Ungarn, Griechenland, Estland, Georgien, Serbien und Belgien teil. Beim ersten Halbfinale waren 16 Länder angetreten. Warum Albanien weiter ist, fragte sich auch Kommentator Peter Urban. Er nannte den Song „ein Drama in den höchsten Tönen, oft nämlich den falschen.“ Für den 67-Jährigen klang der Song beinahe so „als wäre es schlimm am Leben zu sein“. Auch andere haben das erkannt:

<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p lang="de" dir="ltr">Die Frau aus Albanien ist schön. Leider singt sie. <a href="https://twitter.com/hashtag/ESC2015?src=hash">#ESC2015</a></p>&mdash; Klaus Schrage (@hirnduebel) <a href="https://twitter.com/hirnduebel/status/600756340806459392">19. Mai 2015</a></blockquote></center>

Gescheitert ist unter anderem auch Dänemark mit der Gruppe „Anti Social Media“ und dem Song „The way your are“. Peter Urban nannte den Song „mit der Mainstream-Pop-Schablone gestanzt“. Auch die Niederlande, Mazedonien, Moldau und Weißrussland haben kein Finalticket bekommen.

Mit Spannung war erwartet worden, wie die russische Sängerin Polina Gagarina („A Million Voices“) vom Publikum empfangen wird. Die vom Veranstalter befürchteten Pfiffe als Reaktion auf die Rolle Russlands in der Ostukraine blieben aber aus. Auch Urban ließ sich einen spitzen Spruch nicht nehmen: „Sie werden es nicht glauben, aber jetzt kommt wieder ein Friedenslied. Und zwar - Luft holen - aus Russland.“

Das zweite ESC-Halbfinale wird am Donnerstag ausgetragen. Der deutsche Wettbewerbsbeitrag sowie die Beiträge aus Spanien, Italien, Großbritannien, Frankreich und von Gastgeber Österreich sind automatisch im Finale. Außerdem nimmt erstmals Australien am ESC teil. Somit treten Interpreten aus 27 Nationen an. Für Deutschland singt Ann Sophie den Titel „Black Smoke“. 

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