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Millionenstrafe im Plagiatsprozess : Pharrell Williams und Robin Thicke müssen für „Blurred Lines“ zahlen

vom

Ein Gericht in den USA gibt den Erben des Soulsängers Marvin Gaye recht: Pharrell Williams und Robin Thicke haben bei ihrem Song „Blurred Lines“ kopiert.

shz.de von
erstellt am 11.Mär.2015 | 16:44 Uhr

Los Angeles | Ein US-Gericht hat Robin Thicke und Pharrell Williams zu einer Millionenstrafe verurteilt. Der Song „Blurred Lines“ sei von Marvin Gaye geklaut, urteilten die Richter in Los Angeles. Die beiden Künstler müssen den Erben des Soulsängers 7,4 Millionen Dollar zahlen.

Die achtköpfige Jury sah es als erwiesen an, dass sie Teile des Hits von „Got to Give It Up“ geklaut haben. Hier das Original von Marvin Gaye und das Plagiat „Blurred Lines“ im Wechsel:

Während des Prozesses war zum Vorschein gekommen, dass der 2013 veröffentlichte Song „Blurred Lines“ (auf Deutsch etwa: verschwommene Linien) den Musikern und beteiligten Plattenfirmen über 16 Millionen Dollar eingebracht haben soll. Die Gaye-Erben hatten ursprünglich eine Entschädigung von mehr als 25 Millionen Dollar gefordert.

Nora Gaye, die Tochter des 1984 erschossenen Sängers weinte während der Verkündung. Jetzt fühle sie sich frei von den Lügen, die ihr Pharrell Williams und Robin Thicke erzählt hätten.

Thicke hatte in einem Interview mit der US-Ausgabe des Magazins „GQ“ behauptet, er habe den Song zusammen mit Williams geschrieben. Marvin Gayes „Got to Give It Up“ sei das ausdrückliche Vorbild gewesen. Vor Gericht sagte er aus, nicht an der Entstehung von „Blurred Lines“ beteiligt gewesen zu sein. In Interviews erzähle er alles mögliche, um mehr Platten zu verkaufen.

Williams erklärte vor Gericht: „Etwas von jemandem zu stehlen, den man liebt, ist das Letzte, was man als Kreativer machen will.“ Er sei seit seiner Kindheit ein großer Fan von Gaye, beide Songs hätten aber nur das Genre gemein.

Der Anwalt der beiden Musiker kündigte weitere Schritte an. Der Anwalt von Gayes Erben will die Verbreitung des Songs verbieten lassen.

Copyright-Streits sind in der Musikbranche nicht ungewöhnlich. Erst vor kurzem hatte der britische Shooting-Star Sam Smith zugeben müssen, dass sein Song „Stay With Me“ dem Hit „I Won't Back Down“ von Tom Petty aus dem Jahr 1989 allzu sehr ähnelt. Die beiden einigten sich allerdings außergerichtlich.

Die Frage ist bei solchen Streits immer: Bis wohin ist ein Song eine Hommage an einen anderen Künstler und ab wann handelt es sich um Copyright-Verletzung? Die jetzige Gerichtsentscheidung und Millionenstrafe habe die Musikwelt zum Staunen gebracht, sagte der Komponist und Produzent Gregory Butler der „Los Angeles Times“. „Sie haben es illegal gemacht, auf frühere Stücke Bezug zu nehmen. Aber es wird nie jemand mit so etwas radikal Neuem daherkommen, dass man gar keine Anlehnungen an frühere Stücke finden kann.“ Auch der Medienanwalt Joe Escalante kritisierte die Entscheidung in der „Los Angeles Times“: „Möglicherweise versetzt diese Entscheidung die Gaye-Familie in gute Laune, aber es ist ein dunkler Tag für die Kreativität und wird am Ende den Musikfans schaden.“

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