Voller Energie : Parquet Courts finden die perfekte Punkpop-Mixtur

Ein bisschen Erholung haben sich Parquet Courts verdient.  
Ein bisschen Erholung haben sich Parquet Courts verdient.  

So ein Kracher war von den Parquet Courts nicht unbedingt zu erwarten: Mit Studioalbum Nummer sechs gelingt dem US-Quartett nach längerem Anlauf eine perfekte Mischung aus Punk und Pop - eine der besten Rock-Platten des Jahres.

shz.de von
01. Juni 2018, 13:53 Uhr

Im Fußball ist manchmal von Trainern die Rede, die eine bereits gute Mannschaft besser machen können. Wenn man so will, hat Brian «Danger Mouse» Burton die Parquet Courts zu einer besseren Band gemacht - nicht als Trainer, aber als Produzent.

Da passt es, dass der Punkpop-Opener des von Danger Mouse beaufsichtigten neuen Parquet-Courts-Albums «Total Football» heißt. So frech und rotzig wie weiland in den späten Siebzigern kommt dieser quirlige Gitarren-Song daher - wenn also eines der 32 WM-Länder noch auf der Suche nach einer mitreißenden Teamhymne für das Turnier in Russland ist, sollte es hier zugreifen. Wäre doch mal was Anderes...

Die Energie lässt auch danach, in «Violence», nicht nach. Wie eine jüngere Version von Gang Of Four klingt die Parquet Courts, wenn sie ihrem Frust mit wütenden Spoken-Word-Passagen, einem Stadion-Chorus, Gitarrenwucht und diversen Keyboard-Effekten freien Lauf lassen. Anschließend beweist das US-Quartett aus Brooklyn/New York nicht zum letzten Mal auf «Wide Awaaaaake!» (Rough Trade), dass man auch bei Blur gut zugehört hat - «Before The Water Gets Too High» ist eine tolle Damon-Albarn-Hommage.

Mit «Mardi Gras Beads» gelingt der Band dann eine melodieselige, von feinen Gitarrensalven geschredderte Midtempo-Hymne. Wer schon jetzt den Eindruck hat, dass die Parquet Courts auf ihrem sechsten Studioalbum seit 2011 eine bisher selten gezeigte Vielseitigkeit an den Tag legen, der liegt richtig.

Ja, es bleibt bunt und abwechslungsreich, mit weiteren eindeutig identifizierbaren Vorbildern - von Velvet Underground und Jonathan Richman über Buzzcocks und Talking Heads bis zu den Ramones oder The Clash -, aber gleichwohl mit einem unübersehbaren Parquet-Courts-Stempel auf allen Tracks.

Im Gegensatz zu den oft interessanten, manchmal etwas ziellosen Talentproben der vergangenen Jahren ist «Wide Awaaaaake!» ein stets fokussiertes Album geworden - was wohl dem erfahrenen neuen Produzenten zu verdanken ist. Brian Burton hat darauf geachtet, dass die 13 Songs bei aller schnoddrigen Punk-Attitüde sauber produziert und gut konsumierbar aus den Boxen krachen.

So entpuppt sich dieses Album als eine der großen Überraschungen des ersten Musik-Halbjahres. Ausgerechnet die vorher erratischen NYC-Slacker Parquet Courts werden in einer Zeit, in der manche die Gitarrenmusik für tot erklären, zu Hoffnungsträgern des Genres. Das bisher beste Rockalbum 2018!

Live auf deutschen Bühnen dann im Sommer und Herbst: 4. Juli Festsaal Kreuzberg, Berlin, 5.7. Molotow, Hamburg; 18. November Gebäude 9, Köln, 19.11. Ampere, München, 20.11. Brotfabrik, Frankfurt/Main

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