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Neues Album „Caustic Love“ : Paolo Nutini: Irgendwie erwachsener

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Paolo Nutini legt mit „Caustic Love“ seinen bisher besten Langspieler vor. Am 7. Mai tritt der Schotte in Hamburg auf.

shz.de von
erstellt am 13.Apr.2014 | 10:11 Uhr

Hamburg | Die Nacht war kurz, zu kurz. Weil Paolo Nutini sich bis in die frühen Morgenstunden auf dem Hamburger Kiez amüsiert hat, erscheint er 45 Minuten zu spät zum Interview. Er trägt eine Sonnenbrille, ist unrasiert, seine Haare sind verstrubbelt. Trotz seines Schlafmangels weiß der Sänger seinen Charme gewinnbringend einzusetzen: Küsschen links, Küsschen rechts, ein zerknirschtes Lächeln – danach kann man ihm einfach nicht länger böse sein. Zumal er alles andere als wortkarg ist.

Mit seinem breiten schottischen Akzent redet der 27-Jährige wie ein Wasserfall. Über sich, über seine Familie und natürlich über sein drittes Album „Caustic Love“. Es klingt anders als die beiden vorherigen, irgendwie erwachsener. Bei „Iron Sky“ gleitet Nutinis Reibeisenstimme über soulige Beats. Dieses bedrohlich wirkende Lied wurde aus den Aufständen in London gespeist, es beschäftigt sich mit Herrschaftsansprüchen, Träumen, Freiheit und Religion. Mittendrin setzt eine verzerrte Lautsprecherstimme Akzente: „Ihr, das Volk, habt die Macht, dieses Leben zu einem wundervollen Abenteuer zu machen.“ Worte aus Charlie Chaplins Film „Der große Diktator“.

Diesen Komiker verehrt Nutini ebenso sehr wie seine Kollegin Janelle Monáe, mit der er das bluesige Stück „Fashion“ aufgenommen hat: „Janelle ist für mich einfach eine unheimlich coole Frau.“ Auch für den Kings-of-Leon-Sänger Caleb Followill scheint er eine gewisse Bewunderung zu empfinden, zumindest imitiert er seinen Gesangsstil beim recht rockigen „Cherry Blossom“. Ansonsten schneidet er sich immer neu vom 60er- und 70er-Jahre-Soul eine große Scheibe ab. „Scream (Funk My Life Up)“ schlägt einen Bogen zum Funk, „Diana“ tastet sich zum Jazz vor. So erschafft der schottisch-italienischstämmige Singer/Songwriter große Retro-Pop-Momente, nach denen sich Lenny Kravitz die Finger lecken würde. Und weil gut Ding eben Weile haben will, ließ sich Nutini für seine neuen Nummern ganz viel Zeit. „Ich war mit meiner letzten Platte ‚Sunny Side Up‘ ewig lange auf Tournee“, sagt er. „Danach brauchte ich dringend eine Pause.“ Also wandelte er in dem italienischen Örtchen Barga auf den Spuren seiner Vorfahren, machte mit seinem Hund Spaziergänge oder hing daheim im schottischen Paisley, wo seine Eltern einen Fish’n’Chips-Laden betreiben, mit Freunden ab: „Ich wollte mal wieder den normale Alltag genießen und mich ein bisschen runterfahren.“ Hat funktioniert. Der Beau kurbelte nicht bloß sein Sozialleben an, sondern legte nebenbei den bisher besten Langspieler seiner Karriere vor.

Paolo Nutini live: Mi, 7. Mai, 20 Uhr, Hamburg, Docks; Karten: 040/4132260.

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