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Kunst : «Päpstinnen» in Avignon

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Camille Claudel und Louise Bourgeois: Beide haben ein ganz besonderes Universum geschaffen. Unter dem Titel «Päpstinnen» vereint der Papstpalast in Avignon in seinen dicken Gewölben nun fünf Ausnahmekünstlerinnen - neben Claudel und Bourgeois werden Berlinde De Bruyckere, Kiki Smith und Jana Sterbak gezeigt.

shz.de von
erstellt am 20.Aug.2013 | 09:34 Uhr

Der Titel geht auf eine Legende zurück, die besagt, dass eine als Mann verkleidete Frau gegen Ende des 11. Jahrhunderts Päpstin war. «Wir wollten damit auf starke, außergewöhnliche Frauen anspielen», erklärte der Kurator Eric Mezil.

Die Werke von Claudel thronen in der Großen Kapelle. Zu den Preziosen der Bildhauerin, die bis zum 11. November gezeigt werden, gehört «Der Walzer»: zwei nackte, ineinander verschlungene Figuren. Die autobiographische Skulptur entstand, bevor die Muse und Geliebte von Auguste Rodin nach der Trennung von Rodin dem Wahnsinn verfiel. Claudel verbrachte rund 30 Jahre ihres Lebens in einer psychiatrischen Anstalt in Montfavet in der Nähe von Avignon.

Bourgeois schuf ihre ausgestellten Riesenspinnen rund 100 Jahre später. Das Universum der französisch-US-amerikanischen Bildhauerin, die 2010 im Alter von 99 Jahren starb, trägt - so wie bei Claudel - Spuren von Schmerz und Kampf. Die Spinne ist Ausdruck kindlicher Wut auf ihre Mutter, die früh verstorben ist. Die Werke von Berlinde De Bruyckere gehen sprichwörtlich unter die Haut. Die Belgierin setzt sich mit Fleischlichkeit und der Endlichkeit des Leibes auseinander. In Avignon stellt sie Pferde im Todeskampf aus. Ihre Pferdekörper aus Wachs sorgten bereits 2003 auf der Biennale in Venedig für Aufsehen.

Die Ausstellung setzt sich im Museum für zeitgenössische Kunst Collection Lambert fort. Insgesamt zeigt «Les Papesses» mehr als 200 Werke. Der Besucher wird in eine Welt eingetaucht, die ebenso dunkel und faszinierend ist, wie die Geschichte der dicken Papstmauern. Laut der Legende soll die Päpstin Johanna aus Deutschland gekommen sein und starb bei der Geburt ihres Kindes.

«Les papesses» Collection Lambert

«Les papesses» im Papstpalast

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