Ouvertüre mit Gaskammer - Buhrufe für "Tannhäuser"

Lust am Leid: Elena Zhidkova (Venus) und Daniel Frank (Tannhäuser). Foto: dpa
Lust am Leid: Elena Zhidkova (Venus) und Daniel Frank (Tannhäuser). Foto: dpa

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06. Mai 2013, 03:59 Uhr

Düsseldorf | Die drastische Inszenierung von Richard Wagners "Tannhäuser" als Nazi-Verbrecher mit der Darstellung des Mordens in Gaskammern hat bei der Premiere in der Düsseldorfer Rheinoper heftige Reaktionen ausgelöst. Nach nur 30 Minuten gellten am Sonnabend empörte Buhrufe aus dem Publikum, verärgerte Zuschauer verließen ihre Plätze, einige knallten die Türen. Regisseur Burkhard C. Kosminski, der Intendant des Mannheimer Schauspiels, hatte für seine erste Opern inszenierung die sagenhafte Handlung um Tannhäuser im Venusberg und den Sängerkrieg auf der Wartburg in der Zeit des Nazi-Regimes und der Entstehung der Bundesrepublik angesiedelt.

Während der berühmten "Tannhäuser"-Ouvertüre sinken nackte Darsteller in einem Kreuz aus gläsernen Würfeln, die sich mit Nebel füllen, zu Boden. Der Venusberg, bei Wagner Ort der hedonistischen Liebe, wird zum Schauplatz einer brutalen Erschießungsszene. Venus in Nazi-Uniform und ihre SS-Schergen ermorden eine Familie und zwingen Tannhäuser dazu, ebenfalls zu töten.

Sänger und Chefdirigent Axel Kober, der im Sommer die "Tannhäuser"-Inszenierung von Sebastian Baumgarten auf dem "Grünen Hügel" in Bayreuth dirigieren wird, bekam langen Applaus. Regisseur Kosminski aber erntete, kaum hatte er die Bühne betreten, wütende Buhrufe. Sogar bei der anschließenden Premierenfeier wurde Kosminski noch Zielscheibe der Wut einiger Zuschauer, so dass Opern intendant Christoph Meyer die Gäste zur Ordnung rief.

Im Jubiläumsjahr des 200. Geburtstags Wagners mag es nahe liegen, den Antisemitismus des Komponisten und seinen Einfluss auf die Nazi-Ideologie zu thematisieren. Kosminski aber hat Wagners romantischer Oper, die sich um den Konflikt zwischen exzesshafter und keuscher Liebe dreht, das NS-Motiv übergestülpt, um daran das Thema von Schuld und Sühne abzuarbeiten. Ihn bewege die Frage, wie man mit Tätern und Opfern umgehe und aus einer Welt des Schreckens heraus eine neue Ordnung konstituiere, sagte er.

Doch Tannhäusers Aufenthalt im Venusberg als Hort der sündhaften Liebe eignet sich nicht als Metapher für die Monstrosität der Nazi-Verbrechen. Vielmehr droht die plakative Darstellung dort zu relativieren, wo nichts relativiert werden sollte. Dass in der Düsseldorfer Inszenierung Ströme von Theaterblut fließen, vergewaltigt wird und die Tannhäuser verfallene Elisabeth sich am Schluss auf der Bühne anzündet, macht es noch schlimmer.

Die "Holzhammer"-Methode Kosminskis und seines Bühnenbildners Florian Etti dürfte angesichts der Millionen Toten der Nazi-Gewaltherrschaft von vielen als Beleidigung der Opfer angesehen werden.

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