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Kultur : Oswalt warnt vor schleichender Austrocknung der Kultur

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Das Bauhaus Dessau gehört zum Unesco-Welterbe und gilt als die Ikone der Klassischen Moderne. Künstler und Intellektuelle haben hier mit neuen Ideen die Gesellschaft aufgerüttelt.

shz.de von
erstellt am 05.Sep.2013 | 13:37 Uhr

Der Direktor der Stiftung Bauhaus Dessau, der Architekt und Publizist Philipp Oswalt, warnt vor einer schleichenden Austrocknung der Kultur in Deutschland. Im dpa-Interview sagt er, was er von der Politik hält und erwartet.

Frage: Herr Oswalt, am 22. September ist Bundestagswahl. Was soll, was muss die künftige Bundesregierung in der Kulturpolitik dringend angehen?

Oswalt: Zunächst einmal ist die Bundeskulturpolitik seit vielen Jahren ein Erfolgsprojekt. Es wäre an der Zeit, die Kompetenzen des Kulturstaatsministers weiter zu stärken und ihm auch die Zuständigkeit für die auswärtige Kulturpolitik zu übertragen. Natürlich muss man den amtierenden Kulturstaatsminister [Bernd Neumann (CDU)] dafür loben, dass er viel für die Kultur bewegt hat. Und Neues auf den Weg gebracht hat - vom Film über das Gedenkstättenkonzept bis zum Denkmalschutz. Die Kulturstiftung des Bundes ist als innovativer Akteur im Kulturgeschehen fest etabliert.

Frage: Und jetzt kommt das «Aber» in der Antwort?

Oswalt: Ja, denn es kann dennoch nicht übersehen werden, dass der Bund bei den meisten Kultureinrichtungen, an denen er beteiligt ist, seit Jahren die Kostenaufwüchse nicht mehr ausgleicht. In jedem Ministerium und jeder Bundesbehörde passiert das automatisch. Hinzu kommt etwas Weiteres: Die Kommunen sind in Deutschland die wichtigsten Kulturträger. Der Bund und die Länder bürden ihnen aber immer mehr Pflichtaufgaben ohne hinreichende Kompensationen auf, so dass sie ihre freiwilligen Aufgaben, wozu die Kultur gehört, zurückfahren müssen.

Frage: Und was heißt das?

Oswalt: Das heißt, insofern haben wir es insgesamt mit einer schleichenden Austrocknung vieler Kultureinrichtungen zu tun. In den Haushaltsplänen sind diese Einsparungen völlig marginal, aber kulturell steht viel auf dem Spiel. Das kann so nicht weitergehen.

Frage: Aber haben Intellektuelle, Kulturschaffende denn noch Einfluss auf die Politik?

Oswalt: In meiner Wahrnehmung ist der Einfluss eher gering. Es sind doch eher Teile der Wirtschaft, die das Ohr der Politik haben. Dabei wäre es für die Regierenden sicher interessant, zu hören, welche Vorstellungen Intellektuelle von der Entwicklung unserer Gesellschaft haben. Aber ich kann nicht erkennen, dass das abgefragt würde.

Frage: Diese Einschätzung geben sie der neuen Bundesregierung schon mal auf den Weg. Und wie ist es um die Pflege des kulturellen Erbes in Deutschland bestellt?

Oswalt: Im internationalen Vergleich steht Deutschland hervorragend da. Und doch ist es so, dass die Partnerschaft zwischen Bund und Ländern zum Erhalt dieser historisch gewachsenen Kulturlandschaft eine stärkere werden muss. Nehmen Sie nur die Unesco-Welterbestätten, die ja von internationalem Rang sind. Es wäre nur vernünftig, wenn sich der Bund daran mit fünfzig Prozent beteiligen und die überforderten Länder entlasten würde. Auf diese Weise ließe sich auch die meines Erachtens bestehende Übergewichtung Berlins in der nationalen Kulturpolitik ausgleichen.

Bauhaus Dessau

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