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Medien : Orson Welles: 75 Jahre «The War of the Worlds»

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Als im Dezember 1941 Hörfunksender vom japanischen Angriff auf den US-Pazifikstützpunkt Pearl Harbor berichteten, glaubten viele Amerikaner die Nachricht anfangs nicht. Das hat sich doch bestimmt wieder dieser Orson Welles ausgedacht, winkten einige ab.

Hatte er nicht, der Angriff war echt. Im Gegensatz zu dem Ereignis, über das drei Jahre zuvor die Radios «live» berichtet hatten: Vor 75 Jahren wurde am 30. Oktober 1938 das legendärste Hörspiel der Radiogeschichte aufgeführt - das angeblich eine Massenpanik auslöste.

Gerade hatten die Radiohörer den Wetterbericht (19 Grad und Regen) und ein bisschen Tangomusik gehört, als sich ein Moderator aufgeregt meldet: «Wir unterbrechen das Programm für eine Sondernachricht!» Um 20 vor acht abends habe ein Professor aus Chicago auf dem Mars Explosionen beobachtet, irgendetwas rase auf die Erde zu. Aber erst einmal weiter mit Musik, so schlimm wird's schon nicht sein.

Ist es offenbar doch. Denn das Programm wird erneut unterbrochen, immer neue Sondermeldungen kommen rein. Von Blitzen und Himmelserscheinungen, Interviews mit Experten («Wie weit ist der Mars entfernt, Herr Professor?», «Etwa 40 Millionen Meilen.», «Gut, das scheint sicher genug entfernt.») und schließlich einer 30 Meter breiten Scheibe, die in Grover's Mill, New Jersey, gelandet sei. Darin: Marsmenschen mit giftigem Gas und Waffen, die alles im Umkreis von New York in Brand setzen. Die Army kommt mit schwerer Artillerie und ein Kampf entbrennt um das Überleben der Menschheit.

Der ist praktischerweise nach genau 60 Sendeminuten pünktlich zu den Nachrichten vorbei. Der Moderator verabschiedet sich und sagt, dass man gerade ein Hörspiel nach H. G. Wells «Krieg der Welten» gehört habe. Orson Welles, der Schöpfer des Hörspiels, erinnert daran, dass Halloween ist: «Unser Radiotheater hatte sich im Busch versteckt und laut "Buh!" gerufen.»

Und das «Buh!» war so realistisch, dass es einige für bare Münze nahmen. «Radiohörer in Panik, hielten Hörspiel für Realität» meldete selbst die «New York Times», die dann weiter schrieb: «Viele von zu Hause geflüchtet um "Gasangriff vom Mars" zu entkommen - Telefonanrufe überfluten Polizei nach Radiosendung zu Wells».

Doch es war nicht (H. G.) Wells, sondern (Orson) Welles, das Wunderkind der damaligen neuen Medien, ein Sean Parker, Jack Dorsey und Mark Zuckerberg der Zwischenkriegszeit. Als er das brillante Hörspiel schuf, war er 23. Mit 26 drehte und spielte er «Citizen Kane», der als einer der zehn besten Filme der Kinogeschichte gilt. Wenn es darum ging, Menschen zu verzaubern, war Welles ein Genie.

Aber war er auch ein Panikstifter? Historiker bezweifeln, dass es über ein paar ängstliche Anrufe bei der Polizei hinausging, auch wenn einige Brot horteten oder sich im Keller versteckten. «Aber die Meldung über eine Million Hörer in Panik ist wohl der größere Jux als das Hörspiel selbst», heißt es im (Internet)-«Museum of Hoaxes».

Sicher ist aber, dass ganz Amerika über das Hörspiel «The War of the Worlds» sprach. Und auch in Kanada machte man sich über die Nachbarn lustig. «Oh Mann, diese Deutschen lassen sich wirklich ganz schön an der Nase herumführen», lästerte ein Amerikaner in einer Karikatur des «Toronto Star» über die Hitler-gläubigen Deutschen - nur um dann vor der nur im Radio stattfindenden Invasion vom Mars zu flüchten.

Wer flüchtete, flüchtete immerhin vor einem Stück Radiogeschichte. Oft wurde das Hörspiel kopiert, in Hamburg sogar als «Ufos über der Elbe». Und wer in Grover's Mill, New Jersey, einmal spazierengeht, stößt vielleicht auf den Gedenkstein, der dort seit 1988 steht: «Landeplatz der Marsianer» steht darauf, darunter ein Relief von Welles am Mikrofon und eine Familie, die gebannt vor dem Radio sitzt.

Museum of Hoaxes

«Ufos über der Elbe»

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erstellt am 25.Okt.2013 | 09:51 Uhr

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