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Ordnung im Bild – und in der Ehe

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Künstlerpaar Hanne Nagel-Axelsen und Peter Nagel ist seit 50 Jahren verheiratet – eine Beziehung, die sich auch auf ihre Kunst auswirkt

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erstellt am 28.Jan.2016 | 10:30 Uhr

Mit Künstlerehen ist das so seine Sache. weil eine Trennung von Beruf und Privatleben kaum möglich ist. Aber gerade in einer Sparte, wo Erfolg so eng mit dem ganzen Menschen verknüpft ist, muss beides immer wieder ineinander greifen, ohne dass einer zum Verschnitt des anderen wird. Wie so eine Ehe funktionieren kann, und das seit mehr als 50 Jahren, zeigt eine Ausstellung in der Stadtgalerie im Elbeforum Brunsbüttel – „Polaritäten“ ist der Titel, gezeigt werden Bilder des Künstler-Ehepaars Hanne Nagel-Axelsen und Peter Nagel.

Ihre gemeinsame Zeit beginnt 1962 an der Hamburger Hochschule für Bildende Künste. Beide sind auf der Suche – als Mensch, als Künstler. Sie finden einander auf einem Mensa-Fest am Lerchenfeld. Blickwechsel auf der Treppe. Sie hatte in ihren Latzrock extra eine Tasche genäht, um ihre Brille verstecken zu können, sieht aber trotzdem den kleinen Wink des Mannes, derentwegen sie gekommen ist. Sie tanzen. Er bringt sie nach Hause. Heute blicken beide auf eine bald 50-jährige Ehe (mit zwei Kindern und fünf Enkeln) und zwei erfolgreiche Künstlerkarrieren zurück.

1968, nach einigen Jahren als Kunsterzieher, verlebt Peter Nagel mit seiner Frau zwölf Monate als Stipendiat in der Villa Massimo in Rom. Dort fällen beide eine Entscheidung: Er will als freier Maler arbeiten. Museen und Galerien melden sich.

Die 1970er Jahre bringen Peter Nagel den erhofften Erfolg. Zusammen mit anderen in der Künstlergruppe „Zebra“ vertritt er den Neuen Realismus, es geht um eine komplexe Neuerstellung der Motive im Bild, „ohne auf die vorabstrakte Malerei zurückzugreifen“, wie es heißt. Nagel schöpft dabei bis heute aus einem riesigen Fotoarchiv, sortiert nach Themengruppen. Oder bleibt während der Zugfahrt an der Ästhetik einer Magazinseite hängen. Daraus baut er seine bekannten fotorealistischen Konstrukte voller ästhetischer Distanz.

Als Nagel 1984 der Nachfolger von Harald Duwe an der heutigen Muthesius-Kunsthochschule wird, widmet sich Hanne Nagel-Axelsen nach der Kinderpause wieder intensiver ihrer Kunst. „Ich habe überall im Haus gemalt“, erinnert sie sich. Inzwischen gibt es ein Atelier, das die beiden Maler abwechselnd nutzen. „Wir wollten immer mal ausbauen, aber keiner von uns will die Treppe hochgehen“, sagt sie und lacht. Dabei klingt sie durch, diese für sie typische Fröhlichkeit, begründet vielleicht in ihrer dänischen Herkunft.

Die entspannte Sicht auf das Leben führt sie auch durch ihre Kunst. Hier tummeln sich Fantasiewesen, traumhaft, schwebend. „Zu Beginn arbeitet sie wie eine Tachistin“, beschreibt Nagel die Arbeitsweise seiner Frau. Tachismus beschreibt eine abstrakte Malerei, bei der die Farben spontan, den Empfindungen und Stimmungen folgend, auf die Leinwand aufgetragen werden. Hanne Nagel-Axelsen gießt oder tröpfelt die Farben, lässt sie zerlaufen. Aus den ersten, eher zufälligen Formen entstehen Tierdarstellungen; ihre Art, den Zusammenhang von Mensch und Umwelt zu ergründen.

In ihrer Spontanität ist sie so ganz anders als ihr Mann, der „planvoll“ an seine Kunst herangeht, wie er sagt: „Mein Vater war ein Pedant. Ich bin erblich belastet.“ Dass er aber auch spontan sein kann, beweist ein Bild mit Kachelwand. Als er im August 2015 am fröhlich-bunten Ornament malt und sein fünfter Enkel geboren wird, fügt er kurzerhand das gerade erhaltene Schwarz-Weiß-Foto in die Leinwand ein. Ein weitere familiärer Einfluss in der Künstlerfamilie Nagel.

Dieses und andere Bilder in der klug konzipierten Ausstellung legen Zeugnis ab von zwei ungemein starken Künstlerpersönlichkeiten, aber auch von einer 50 Jahre währenden Zusammenarbeit, die geprägt ist von Diskussionen zu Farbe und Form. „Räum mal in deinem Bild auf“, heißt es da manchmal. Oder: „Meinst du, dieses Rot ist richtig?“ Hier stehen sich zwei Künstler und Ehepartner auf Augenhöhe gegenüber. Ein Phänomen.

„Polaritäten – 50 Jahre einer Künstlerehe“ mit Bildern von Hanne Nagel-Axelsen und Peter Nagel, Stadtgalerie im Elbeforum, Von-Humboldt-Platz 5, Brunsbüttel. Bis 10. April 2016.

www.stadtgalerie-brunsbuettel.de.



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