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Musik : Open Air-Konzert lässt Afghanen hoffen

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Das tägliche Getöse des Krieges verstummte für einen Tag in dem Tal zwischen den felsigen Bergen Afghanistans. 10 000 Menschen, Frauen und Männer, kamen zu einem Open Air-Konzert in der zentralen Provinz Bamian - an den symbolträchtigen Ort, wo die radikalislamischen Taliban vor zwölf Jahren zwei bedeutende Buddha-Statuen sprengten.

Damals war Musik in Afghanistan noch verboten, Frauen wurden vom öffentlichen Leben ferngehalten. Am Donnerstag sangen, rappten und tanzten dort nun nationale Künstler. Vielen Geistlichen war das für die Region einmalige Event aber ein Dorn im Auge. «Die Mullahs haben versucht, die Veranstaltung zu stoppen», sagte Mitveranstalter Rauil Singh der Nachrichtenagentur dpa. Diese Art von Konzert sei im Islam nicht erlaubt, hätten sie argumentiert. «Wir haben ihnen gesagt, dass sie zwar ihre Meinung sagen dürfen, uns aber nicht stoppen können, das Event zu organisieren. Die Menschen würden entscheiden, ob sie kommen wollten oder nicht.»

Und sie kamen. «Das war das größte Konzert, das ich jemals gesehen habe», schwärmte Besucher Dschamil Dschala nach der Show. In Kabul gebe es solche Veranstaltungen nur für exklusive Kreise in kleinen Locations - die Angst vor Gewalt ist zu groß. Dschala hofft, dass es bald mehr solcher Konzerte geben wird. Auch für die Künstler war der Auftritt in Bamian, eine der wenigen sicheren Regionen fern von der Gewalt der Taliban, ein besonderer Moment. Vor allem für eine junge, aufstrebende afghanische Sängerin: «Ich bin sehr glücklich und dankbar, wie das Konzert heute lief», sagte Ariana Sajeed, die bei den jungen Menschen in ihrem Land immer beliebter wird. Schon bevor sie auf die Bühne kam, riefen die Leute in Sprechchören ihren Namen.

Das kostenlose Konzert ist Teil des von den UN gegründeten Internationalen Tags der Jugend und sollte vor allem junge Leute ansprechen. Ziel sei es gewesen aufzuzeigen, wie wichtig die Jugend für den Wandel Afghanistans zu einem stabilen und friedlichen Land sei, sagte Ari Gaitanis von der Vertretung der Vereinten Nationen in Afghanistan (UNAMA) der dpa. Auch im relativ sicheren Bamian herrscht Angst vor Anschlägen. Ariana Sajeed, die unter anderem vom Leid der afghanischen Frauen singt und bei einer TV-Castingshow ohne Kopftuch als Jurorin auftrat, wird von Konservativen und religiösen Kräften stark kritisiert. Auch deshalb sind die Sicherheitskräfte angespannt, als sie auf die Bühne geht.

Während Sajeeds Auftritt schlüpft ein Mann durch die Sicherheitsabsperrungen und kann erst kurz vor der Bühne von einem Mitarbeiter gestoppt und von der Polizei abgeführt werden. In den Händen hielt der Mann einen Strauß Rosen. Ein Verehrer - mehr nicht.

UN zu World Youth Day

Steckbrief Ariana Sayeed auf Castingshow-Website

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erstellt am 19.Aug.2013 | 00:32 Uhr

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