zur Navigation springen

Kunst : Nicole Zepter kritisiert «sakrale Museumsbauten»

vom

Wer traut sich heute beim Anblick von langweiligen, aber teuren Kunstwerken noch seine eigene Meinung zu sagen? Die Journalistin Nicole Zepter (36) ist es leid, von Kuratoren, Galeristen und Museumsleuten diktiert zu bekommen, wie Kunst zu beurteilen ist.

In ihrem Buch «Kunst hassen» ruft die Herausgeberin des Zeitgeist-Magazins «The Germans» dazu auf, sich ein eigenes Urteil zuzutrauen. Im dpa-Interview: Nicole Zepter.

Frage: Wie sind Sie darauf gekommen, dieses Buch zu schreiben?

Antwort: Ich war wütend darüber, dass mir so viel vorgesetzt wurde, dass es überall ein Abnicken von Kunst gab, anstatt zu diskutieren und darüber zu urteilen. Das ist eine subjektive Analyse, die anscheinend aber sehr viele Menschen teilen. Meine Beobachtung war, dass wir das Gefühl für Kunst verloren haben. Wir konsumieren nur noch, wir gehen da durch und haben eigentlich gar keine Meinung. Alle nicken nur noch und sagen Ja und Amen.

Frage: Warum flößen uns die Kunstwerke im Museum Ehrfurcht, ja geradezu Angst ein?

Antwort: Es ist das Gesamtsystem, die Distanz zur Kunst, die kuratorische Praxis. Dazu gehören die überhöhte Sprache und sakrale Museumsbauten. Es sind auch die Museumsaufsichten, die in Deutschland meistens von Fremdfirmen abgestellt sind und die wenig Geld bekommen. Man wird misstrauisch beäugt. Und es liegt auch an dem völlig überholten Geniekult, den auch viele Künstler versuchen abzuschütteln. Kein Künstler hat es verdient, hemmungslos idealisiert zu werden.

Frage: Die Texte in Museen und Katalogen machen es einem auch nicht leicht, Kunst zu verstehen.

Antwort: Die Sprache in der Kunst ist eine wissenschaftliche Verdummung. Man sieht eine Blume oder ein Haus, und es werden irgendwelche mythischen Behauptungen aufgestellt, die wissenschaftlich völliger Humbug sind. Da fängt man an, so viel in die Bilder reinzufriemeln, was zum einen einschüchtert und zum anderen völliger Quatsch ist, weil man nicht nachvollziehen kann, was das eine mit dem anderen zu tun hat. Man hat das Gefühl, man steht vor einem Mythos, obwohl man einen umgekehrten Eimer anschaut, wo zwei Schwämme rausgucken. Ich musste bei der Recherche immer darüber lachen.

Frage: Hassen Sie Kunst inzwischen?

Antwort: Nein, ich hasse die unehrliche Art, wie mit der Kunst inzwischen umgegangen wird. «Kunst hassen» ist eine Polemik, eine Streitschrift. Als Waffe gegen diesen falschen klebrigen Respekt, gegen diese Verlogenheit sollen wir wieder ein ehrliches Gefühl für die Kunst entwickeln. Und wenn es auch so ist, erstmal in die komplette Opposition zu gehen. Ich sage in dem Buch, wer Kunst liebt muss auch Kunst hassen können. Sonst kann er ja gar nicht ehrlich lieben.

Frage: Gehen Sie selber noch ins Museum?

Antwort: Ja. Ich freue mich auf ein jedes neue kleine Haus, was ich noch nicht gesehen habe. Aber ich befürchte es wird ähnlich verlaufen. Es gibt so viel Kunst, das kann ja nicht alles gut sein.

zur Startseite

von
erstellt am 18.Sep.2013 | 10:43 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen