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Grenzenlos : Neue Wege: «Lotos Land» von Sascha Funke

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Der Musiker und DJ Sascha Funke kombiniert auf seinem dritten regulären Album mühelos die Bandbreite elektronischer Musik mit der Dynamik und Spannung von Post-Punk.

Hamburg (dpa) - Überraschung gelungen: Mehr als neun Jahre nach seinem zweiten Longplayer «Mango» auf BPitch Control hat Sascha Funke sein neues Album «Lotos Land» jetzt auf dem japanischen Label Endless Flight veröffentlicht - und geht dort ganz neue musikalische Wege.

Sascha Funke, Berliner Techno-Produzent und vielgereister DJ, veröffentlichte sein TechHouse-Debüt «Campus» 1999 auf dem Kölner Kompakt-Label. 2000 folgte auf Kompakt mit «Saftey First» eine weitere EP und ein gutes Jahr später die Maxi «Drei Auf Drei», auf deren B-Seite (Track «B2» um genau zu sein) Sascha den Hörer mit einem unglaublich stoischen Bass und 134 Beats pro Minute in den gut gelaunten repetitiven Wahnsinn trieb.

Auf Ellen Aliens Label BPitch Control brachte der Berliner neben einigen Maxis 2003 sein Debütalbum «Bravo» heraus, das mit eingängigem und exzellent produziertem TechHouse glänzte. Neben dem 2008 ebenfalls auf BPitch Control erschienenen Album «Mango», das ähnliche wie «Bravo» tickte, zeigte Sascha Funke aber auch immer wieder Freude an verschrobener und nicht gerade massenkompatibler Musik. Beispielsweise auf dem zeitlosen, hypnotischen, perkussiven und seltsam leiernden Track «Hiddensee» der «Werkschau» EP.

Mit diesem Interesse an verschrobenen Sounds und Produktionen hat Sascha nun beim japanischen Label Endless Flight angeheuert, das seit über zehn Jahren von Tokio aus fleißig irgendwo zwischen Disco, New Age, Cosmic, Downtempo und (Deep) House veröffentlicht. Ein Label, auf dem vieles denkbar ist und eine große künstlerische Freiheit herrscht, so lange der musikalische Output der kritischen Bewertung des geschmackssicheren Gründers und Besitzers Toshiya Kawasaki standhält.

Diese neu gewonnene künstlerische Freiheit lebt Sascha Funke nun ganz offensichtlich auf seinem dritten regulären Album aus, das sich laut Presseinfo musikalisch zwischen Trance, Techno, Synth-Wave, Ambient und Post-Punk bewegt. Und mit Post-Punk geht es im «Lotos Land» auch los: Auf dem ersten Track gesellt sich zu einem bedrohlich dröhnenden Synthesizer ein galoppierendes Schlagzeug und zusammen pflügen die beiden über fünf Minuten hinweg durch ein simples musikalisches Thema mit dem treffenden Titel «Pogo Logo».

Im Anschluss daran vibriert auf «Comala» ein düsterer Basslauf, der bei New Wave und Post-Punk (siehe und höre zum Beispiel «Dinner» von den Abecedarians) immer wieder seinen schwermütigen Einsatz fand. Zu dem Bass gesellt sich auf «Comala» ein erneut einfach gehaltener Schlagzeugrhythmus, der gemeinsam mit dem überdrehten Gesang von David Wilson und den leicht irren Background-Vocals den Track in selige New-Wave-Zeiten katapultiert.

Auf dem dahinstolpernden Track «Im Feiern und Feuer», der durch eine DAF-typische Synthesizer-Sequenz eröffnet wird, ist die Stimme des israelischen Künstlers Autarkic zu hören. Ähnlich wie Robert Görls «Gewinnen wir die Beste der Frauen» von 1984 ringt «Im Feiern und Feuer» um Struktur und Fassung und droht während der sechsminütigen Laufzeit mehrfach in alle Einzelteile zu zerfallen.

Deutlich geradliniger hingegen rockt der instrumentale Track «Amber Light», der zu Beginn den Ansatz von «Comala» mit einem treibenden (synthetischen) Bass und effizientem Schlagzeugeinsatz verfolgt. Dabei entwickelt sich «Amber Light» jedoch mit seinen durchdringenden sphärischen Sounds mit jeder Minute mehr zu einer monotonen und dabei äußerst fesselnden Krautrock-Nummer.

Viel entspannter und weniger treibend geht es auf dem Ambient-Track «Saint Seven» mit seinen hell klingenden und intensiv schimmernden Synthesizer-Arrangements zu, die schwerelos im Raum schweben. Ebenfalls in Ambient-Gefilden bewegt sich der letzte Track «O, Rest Ye, We Will Not Wander More», der mit seinen flötenähnlichen Sounds gemächlich und meditativ Richtung Albumende trabt und von dem zum Schluss nichts als wunderschön glänzende Flächen zurückbleiben.

Egal ob meditative Töne beim Closing-Track, Krautrock-Anleihen bei «Amber Light» oder rhythmische Übungen bei «Pogo Logo», Sascha Funke hat sich auf «Lotos Land» erstmals auch auf Albumlänge von den Fesseln reiner Techno-Produktionen befreit. Dabei kombiniert er mühelos die riesige Bandbreite elektronischer Musik mit der Spannung und Dynamik von Post-Punk und verwandter Spielarten. Seine musikalischen Möglichkeiten sind damit nun grenzenlos und auf Endless Flight perfekt aufgehoben.

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erstellt am 13.Jun.2017 | 07:21 Uhr

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