Neiddebatte mit Onkel Wanja

 Foto: Thorsten Wulff
Foto: Thorsten Wulff

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19. März 2013, 03:59 Uhr

Lübeck | Gescheiterte, verirrte, unbefriedigte Existenzen sind nicht komisch - es sei denn, ein Meister wie Anton Tschechow hat sich ihrer angenommen. In der Inszenierung von Klaus Hemmerle ist jetzt seine Komödie "Onkel Wanja" zu sehen - ein komisches Stück, das ohne Heiterkeit auskommt.

Ein Teebeutel sagt mehr als 1000 Worte: Der Arzt Astrow (Matthias Hermann, Foto li.) kratzt ihn am Ende von der Stelle, an die er zu Beginn (im Stück ist darüber ein ganzer Sommer vergangen) geschleudert wurde: Alles scheint auf Anfang, aber die Teeblätter sind verdorrt, so wie den Menschen die Hoffnung auf einen anständigen Platz im Leben. Hemmerle gelingt eine saubere Inszenierung. Sein Bühnenpersonal zeigt durchweg grundsolide Leistung mit vielen Ausreißern in höhere Schauspielsphären. Man versteht, warum der lange so wackere Wanja (Thomas Schreyer, Foto vorn) von Eifersucht und Neid geplagt wird und der rührige Arzt Astrow gleichzeitig haltloser Säufer ist.

Lübecks "Onkel Wanja" hat vieles, was ein glanz volles Stück braucht. Doch der Funke der Leidenschaft wollte am Ende dennoch nicht auf das Premieren publikum überspringen.

Nächste Vorstellung: Do., 28. März, 20 Uhr. Theater Lübeck (Kammerspiele), Beckergrube 16. Theaterkasse: 0451 399 600.

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