Geburtskultur : Natürliche Geburt: Zurück zur Urkraft

Szene einer glücklichen, entspannten Geburt – gibt es das in Deutschland zu  selten?

Szene einer glücklichen, entspannten Geburt – gibt es das in Deutschland zu selten?

Immer mehr Initiativen fordern eine neue Geburtskultur – darunter auch ein Verein in Schleswig-Holstein.

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15. September 2018, 10:16 Uhr

Einleitung, Wehentropf, Wehenschreiber, PDA und schließlich immer häufiger ein Kaiserschnitt – so sieht der Alltag in Kreißsälen aus. Der Trend zu immer mehr Eingriffen hat in diesem Jahr die Weltgesundheitsorganisation (WHO) veranlasst, neue Richtlinien für Geburten herauszugeben.

Der Tenor: Frauen müssen wieder mehr einbezogen werden, selbstbestimmter agieren dürfen und die Geburt soll nicht unnötig beschleunigt werden.

Das fordern neben der WHO auch viele Hebammen, Gynäkologen – und Mütter. Bundesweit arbeitet der Verein „Mother Hood“ daran, die Situation in der Geburtshilfe zu verbessern und Frauenrechte zu stärken.

Schlechte Geburtserlebnisse belasten Mutter und Kind

Doch es gibt auch regionale Initiativen wie die der Flensburgerin Marlene Stöckel. „Es ist doch absurd, dass die moderne Gesellschaft das Natürlichste verlernt und Frauen das Vertrauen genommen wird“, sagt die Heilpraktikerin und zweifache Mutter.

Sie beobachtet, dass viele Mütter aus der Klinik mit dem Baby auch ein Trauma nach Hause bringen, was sie ihr Leben lang prägt. „Schlechte Geburtserlebnisse beeinflussen häufig die Bindung zum Kind“, gibt sie zu bedenken.

An der Klinikgeburt führt in den meisten Regionen Schleswig-Holsteins kein Weg mehr vorbei, nachdem die meisten Geburtshäuser aufgrund der gestiegenen Versicherungsprämien der Hebammen schließen mussten und Hausgeburten aus demselben Grund kaum noch angeboten werden.

Was die Situation noch verschärft: Mitte der 90er-Jahre gab es in Schleswig-Holstein noch 34 Kliniken mit Geburtsstationen. Mittlerweile ist die Zahl um ein Drittel geschrumpft. In nur noch 21 Krankenhäusern stehen die Kreißsaal-Türen für werdende Mütter offen – viele müssen weit fahren. „Mit der Angst im Kopf kann man gar nicht positiv in eine Geburt starten“, meint Marlene Stöckel. Außerdem sollten Frauen eine Wahl haben.

Positive Geburtsgeschichten, die Mut machen

Deshalb hat sie sich vorgenommen, etwas zu verändern. Sie rief ein monatliches Treffen aus, bei dem sich Frauen über Geburtserlebnisse austauschen, sich informieren und vernetzen können.

Besonders im Fokus stehen positive Geburtsgeschichten, die motivieren und selbstbewusst machen sollen. Die engagierte Mutter hatte offenbar einen Nerv getroffen: Im Nullkommanichts seien zig Frauen da gewesen. Aus gelegentlichen Treffen ist mittlerweile ein Verein geworden.

Das große Ziel: Die Gründung eines Geburts- und Informationshauses. Einen kleinen Erfolg kann der Verein schon verbuchen. Ab dem nächsten Jahr wird eine Hebamme in der Fördestadt wieder Hausgeburten anbieten.
 

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