Götter des Olymp : «Mythos»: Zeus, Athene, Hermes und Apollo in neuem Gewand

Stephen Fry macht nur, was ihm Spaß macht. Zum Beispiel die alten griechischen Mythen nachzuerzählen.
Stephen Fry macht nur, was ihm Spaß macht. Zum Beispiel die alten griechischen Mythen nachzuerzählen.

In seinem neuen Buch erzählt der britische Komiker Stephen Fry die klassischen Sagen der Antike neu. Dort, wo er aus dem konservativen Rahmen ausbricht, wird es überraschend, geistreich und witzig.

shz.de von
06. November 2018, 13:59 Uhr

Ein wenig ähnelt Stephen Fry den antiken Göttern. Wie sie macht er nur das, worauf er Lust hat. Seit seiner Kindheit liebt der britische Tausendsassa die Sagen des griechisch-römischen Altertums - jetzt hat er sich einfach nacherzählt.

«Ihr Humor, ihre Energie, ganz besonders ihre Leidenschaft» hätten ihn gefesselt, schreibt er in seinem jüngst auf Deutsch erschienenen Buch «Mythos».

Seit Homer, Hesiod und Vergil haben Schriftsteller in aller Welt immer wieder die Geschichten von Zeus, Hera, Athene, Apollo, Hermes und der anderen olympischen Götter beschrieben, Künstler haben sie gestaltet und damit bis in die Gegenwart getragen. Doch unter all seinen Vorgängern ist Frys Vorliebe für den lateinischen Dichter Ovid unverkennbar. Beide haben einen Hang zu erotischen Themen und erzählen die Mythen - soweit möglich - chronologisch seit der Entstehung der Welt.

En passant geht der Brite auf die Bedeutung der Antike für die moderne Sprache ein: In einer Art Bildungsauftrag schmuggelt er die Ursprünge heutiger Wörter hinein - wie etwa beim Lachgas Helium oder dem pflanzlichen Chlorophyll. Da schimmert erzählerisch der Quizmaster durch, als der er in seiner Heimat auch berühmt ist.

In Großbritannien kommt man an Fry kaum vorbei. Als Schauspieler («Der Hobbit»), Komiker («Fry and Laurie»), Autor, Synchronsprecher und TV-Moderator ist er solch eine Institution, dass er sogar bei der Hochzeit von Prinz Charles und Camilla dabei war - und auch mit anderen einst eine Geburtstagsparty für den Thronfolger moderierte. Fry ist ein britischer Augenzwinkerer, wie er im Buche steht.

In «Mythos» bleibt der 60-Jährige sprachlich meist konservativ. Er verlässt sich auf die von sich aus packende Handlung. Darin fällt er weit hinter Ovid zurück, der es vor 2000 Jahren sehr wohl verstand, auch über das Erzähltempo einen Spannungsbogen aufzubauen.

Am geistreichsten ist der Brite in seinen Dialogen. Hier nutzt er die Freiräume, die Mythen ihm geben. In der Phaeton-Geschichte etwa lässt er den Götternachwuchs mit seiner Abstammung auf den Putz hauen. Da prahlt ein Sohn des Zeus über eine «kleine Hausparty» der Familie. «Nur Paps, Hermes vielleicht, Demeter und ein paar Faune.» Und am Nektar habe er ja sowieso schon einmal genippt. Für den jungen Phaeton muss Vater Apollo herhalten: «Er drängelt immer, dass ich ihm etwas von der Last abnehme, ein bisschen Sonnenfahren und so.»

Mit solch flinkzüngigen Episoden hätte sich Fry gern noch etwas mutiger von literarischen Vorlagen lösen können. Gerade bei Phaeton schält er nämlich geschickt und gewitzt heraus, wie jugendlicher Hochmut aus sozialen Anforderungen erwächst, die auch der Moderne nicht unbekannt sein dürften. Umso katastrophaler liest sich dann auch das Ende, als der Junge mit dem Sonnenwagen zerschellt, nachdem er einen ganzen Landstrich versengte - die heutige Sahara.

Gerade in den ausführlicheren Episoden zeigt Fry seine Erzählkunst - neben Phaeton etwa auch in der Geschichte über die Weberin Arachne, die nach einem Wettstreit mit Athene zur Strafe bis in alle Ewigkeit spinnen muss, oder über das Gott-Mensch-Liebespaar Amor und Psyche.

«Mythos» erinnert daran, dass die Sagen des Altertums immer ein Spiegel der Erdenbewohner, und dass die fehlbaren Götter oft allzu menschlich waren - auch wenn sie nicht dieselben Konsequenzen fürchten mussten wie ihre sterblichen Abbilder.

Für diejenigen, die in dem Buch etwa die Argonauten-Reise oder die Abenteuer von Theseus, Herakles oder des unglücklichen Orpheus in der Unterwelt vermissen, hat der Autor schon den Nachfolger parat: «Heroes» (deutsch: «Helden») ist dieser Tage auf Englisch erschienen.

Mit seinen Büchern zeigt Fry noch einmal, dass selbst diejenigen, die sich nicht für Antike, Kunst oder Literatur interessieren, kaum an Zeus, Aphrodite oder Ares vorbeikommen. Sie wandern unter ihren lateinischen Namen Jupiter, Venus und Mars als Planeten über das Firmament. Und auch der Brite hat schon einen Platz am Himmel. Seit 2015 ist ein Asteroid nach ihm benannt: «(5190) Fry».

- Stephen Fry: Mythos. Was uns die Götter heute sagen, Aufbau Verlag, 448 Seiten, 24,00 Euro, ISBN 978-3-351-03731-4.

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