Mutter des Musicals lebt neu auf

Buntes Tanzspektakel  in der Hamburgischen Staatsoper: Der Kampf der Kulturen und die Liebe unter schwierigen Voraussetzungen sind auch in der Neuauflage von 'West Side Story'  die zentralen Themen. Foto: Nilz Böhme (2)
Buntes Tanzspektakel in der Hamburgischen Staatsoper: Der Kampf der Kulturen und die Liebe unter schwierigen Voraussetzungen sind auch in der Neuauflage von "West Side Story" die zentralen Themen. Foto: Nilz Böhme (2)

Verbotene Liebe: Der Klassiker "West Side Story" feiert in Hamburg eine gelungene Neuauflage als buntes Tanzspektakel

Avatar_shz von
04. August 2012, 03:59 Uhr

Hamburg | Am Ende bekommt die Mutter das, was sie verdient: stehende Ovationen. Seit Donnerstag erklingt es in der Hamburgischen Staatsoper: das berühmte "I like to be in America" aus dem Musical-Klassiker "West Side Story". Die berühmte Broadway-Produktion aus dem Jahr 1957 gilt durch die damals bahnbrechende Verbindung von Schauspiel, Tanz und Gesang als Mutter des Musicals. Mit 55 Jahren mag die eine oder andere Mutter schon langsam an Ruhestand denken, doch in Hamburg ist die "West Side Story" vermutlich mindestens genauso spritzig und lebendig wie zur Uraufführung im New York der 50er Jahre.

Im Mittelpunkt des Musicals steht ein uraltes Motiv: Liebe, die nicht sein soll, zwischen Menschen, deren Herkunft unterschiedlicher nicht sein könnte. Man kennt es in der Literaturgeschichte aus "Tristan und Isolde" oder "Romeo und Julia". Diesen populären Stoff griffen Leonard Bernstein (Musik), Stephen Sondheim (Gesangstext) und Arthur Laurents (Buch) auf und versetzten ihn in ein heruntergekommenes Viertel der Upper West Side von New York - dem Zuhause zweier rivalisierender Jugendgangs.

Die Sharks und die Jets kämpfen um die Führerschaft auf der Straße. Ein Kampf der Kulturen zwischen Einwanderern puerto-ricanischer Herkunft und Amerikanern, Imponiergehabe junger Männer und alltäglicher Rassismus - in diesem Spannungsverhältnis wächst die Liebe zwischen Tony (Liam Tobin) und Maria (fabelhaft gespielt von Elena Sancho Pereg). Gewalt und Rivalität kulminieren im Tod des Liebhabers. Zurück bleibt eine verzweifelnde und trauernde Maria, aber auch die Hoffnung auf eine mögliche Versöhnung.

Man hätte erwarten können, dass die Produzenten in Anbetracht der nach wie vor aktuellen Thematik das Stück dem Heute anpassen. Doch in der Staatsoper erwartet Besucher ein durch und durch am Original orientiertes Musicalerlebnis. Ob das gut oder schlecht ist, ist eine Frage des Geschmacks. Die Kritik an bestehenden gesellschaftlichen Verhältnissen bleibt so oder so bestehen.

Doch die "West Side Story" ist vor allem auch ein buntes Tanzspektakel. Sorgfältig untermalen die Kostüm- und Lichtgestaltung die Botschaften der Texte und Tänze. Die Originalchoreografie von Jerome Robins entfaltet sich in der mit Slapstickeinlagen gespickten Spott-Szene über Officer Krupke genauso gut wie beim surrealen Geistertanz nach den ersten Morden.

Regisseur Joey McKeenly ist damit eine tolle Neuauflage des Klassikers gelungen. Vier Wochen lang wird das Gastspiel in Hamburg andauern - und seine Besucher begeistern.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen