Musikalisches Denkmal

Unvergessen: Amy Winehouse bei einem Konzert im Oktober 2007 in Zürich. Foto: dpa
Unvergessen: Amy Winehouse bei einem Konzert im Oktober 2007 in Zürich. Foto: dpa

Mehr als ein Jahr nach Amy Winehouses Tod bringt die BBC in einer Kollektion von Live-Auftritten wieder ihre große Stimme in den Vordergrund

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22. November 2012, 03:59 Uhr

Berlin | Amy Winehouse war nur eine kurze Karriere beschert. So kurz, dass es nicht einmal für das übliche Leben nach dem Tod zu reichen schien, das die Musikindustrie ihren Stars bringt: Alle paar Jahre werden Aufnahmen aus Archiven herausgekramt und für die Fans neu aufbereitet. Doch die Sängerin war in ihren letzten Jahren so von dem Kampf gegen ihre Dämonen eingenommen, dass sie nur selten im Studio aufkreuzte. So schaffte sie es auch nie, ein drittes Album aufzunehmen.

Selbst ein Bond-Song, für den Winehouse einst als würdigste Anwärterin ihrer Generation galt, blieb ihr verwehrt. Ihre Plattenfirma kratzte nach ihrem Tod gerade noch ein Album mit unveröffentlichten Songs zusammen, und das schien es gewesen zu sein. Doch zum Glück für die Amy-Winehouse-Fans gibt es die BBC. Der Medienriese zählte zu den treuesten Unterstützern des umstrittenen Stars und sammelte zahlreiche Live-Aufnahmen an. So viele, dass es für eine monumentale Ausgabe aus drei DVDs und einer Live-CD reichte. Die BBC gibt Winehouse, die im Juli 2011 mit 27 Jahren an einer Alkoholvergiftung starb, ein großes Stück Würde zurück. Das Publikum nahm die Sängerin zum Schluss nur noch über die Seiten der Boulevard-Presse mit traurigen Paparazzi-Bildern, ständigen Skandalen und blamablen Bühnen-Pannen wahr - ein Wrack. Die Live-Aufnahmen aus den Jahren 2004 bis 2007 bringen jetzt die Amy Winehouse zurück, die dahinter fast in Vergessenheit geriet: Ein Naturtalent mit riesiger Stimme und beeindruckender Bühnenpräsenz.

Ein Höhepunkt von "Amy Winehouse At The BBC" ist neben dem bekannten Konzert in der Londoner Porchester Hall von Frühjahr 2007 eine Aufnahme, die Winehouse wenige Monate zuvor in einer winzigen irischen Kirche machte, begleitet nur von Bass und Gitarre.

Der kleine Rahmen, der fehlende Abstand zu den gerade einmal 80 Zuhörern verlieh dem Konzert eine magische Atmosphäre, die selbst auf der DVD rüberkommt - auf die Qualität der BBC-Toningenieure war schon immer verlass.

In dem Interview, das damals zum Konzert geführt wurde, kommt Winehouse nicht, wie später manchmal, als arrogante Diva rüber, sondern als besessener Jazz-Fan: Etwa, wenn sie erzählt, wie sie erstmals Ray Charles oder Thelonious Monk gehört hat. Sie habe denselben Song jeden Abend anders singen können, sagt einer ihrer Musiker. Die Live-Aufnahmen belegen das - und sind eine Erinnerung daran, was für ein großer Verlust ihr früher Tod für die heutige Musikszene bedeutet.

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