Kuba und Congas : Musical «Carmen la Cubana» kommt nach Deutschland

Luna Manzanares Nardo als kubanische Carmen.
Luna Manzanares Nardo als kubanische Carmen.

«Carmen» gehört zu den meistgespielten Titeln der Opern-Geschichte und erlebte schon diverse Umdeutungen. Nun wird die berühmte Frauenfigur in das Kuba in den Tagen der Revolution verfrachtet - und zu einem opulenten Musical. Deutschland-Premiere ist in Köln.

shz.de von
15. Juli 2018, 11:40 Uhr

Als «Carmen» 1875 Uraufführung feierte, war es schlicht unvorstellbar, dass sich in einigen Jahren noch irgendwer für diese Oper interessieren könnte.

Orchester und Chor hatten schon während der Proben gegen die schwierige Musik und den anspruchsvollen Gesang gemeutert, bei Kritik und Publikum fiel die Geschichte durch. Eine Zigeunerin, die sich in einen Sergeanten verliebt und ihn in den Untergang treibt? Das war nicht standesgemäß.

Wie sehr die Zeitgenossen damals irrten, lässt sich am Donnerstag (19. Juli, 20 Uhr) in Köln beobachten, wenn «Carmen la Cubana» Deutschland-Premiere feiert. Der Stoff, der einst in einer Novelle von Prosper Mérimée entwickelt und von Georges Bizet (1838-1875) zur Oper gemacht wurde, erlebt seine nächste Inkarnation - als Musical im Kuba-Setting. Statt eines klassischen Orchesters sitzt eine Latin-Big-Band auf der Bühne, die Handlung wird in das Kuba in den Tagen der Revolution verlegt. Nach der Kölner Philharmonie, in der die ersten Previews bereits am Dienstag (17. Juli) zu sehen sind, sind auch Shows in Leipzig, Frankfurt, Berlin und München geplant.

«Es ist das erste kubanische Musical in Deutschland. Eigentlich ist das ungewöhnlich, weil Kuba für Musik und Tanz ja bekannt ist. Für Musicals galt das aber bislang nicht», sagt der Produzent Ralf Kokemüller. Weltpremiere hatte das Stück 2016 in Paris. Für die Orchestrierung ist Alex Lacamoire zuständig, der unter anderem für sein Arbeit am Broadway-Megaerfolg «Hamilton» einen Grammy gewonnen hat - und kubanische Wurzeln besitzt.

Die alten Arien von Bizet sind nun musikalische Nummern und mit kubanischen Stilen variiert. Ausgangspunkt dafür wiederum ist eine «Carmen»-Bearbeitung aus den 40er Jahren: «Carmen Jones» von Oscar Hammerstein II. Die Hauptdarstellerin Luna Manzanares Nardo stammt selbst aus Havanna. Sie hat nicht unbedingt eine klassische Opern-Stimme - aber Soul und Jazz.

Die Titelheldin in «Carmen la Cubana» ist nun Zigarrendreherin. Mit dem Soldaten José, der sie nach einem Streit in der Zigarrenfabrik ins Gefängnis bringen soll, bandelt sie an, obwohl der eigentlich verlobt ist. Das Schicksal führt das Paar nach Havanna, in dem die Revolution in vollem Gange ist. Man verrät nicht zu viel, wenn man sagt, dass ihre Liebe unter keinem guten Stern steht. Spätestens als Carmen dem Boxer El Niño näher kommt, läuft es auf ein tragisches Finale hinaus.

Für die opulente Aufführung wird die Bühne in der Kölner Philharmonie - eigentlich kein klassisches Musical-Theater - erweitert. «Das ist ein sehr ambitioniertes Projekt, weil die Philharmonie in Köln eigentlich nicht für so eine aufwendige Show ausgelegt ist», sagt Produzent Kokemüller. Aber man habe jahrelange Erfahrung, auch so eine Großproduktion dort einzubauen.

Ob das Musical damit in den Kanon der großen «Carmen»-Variationen vordringt? Mal sehen. Der ist nämlich schon recht lang. Bizets Geschichte um die starke, freiheitsliebende Carmen gehört heute zu den meistgespielten Stücken überhaupt - hinzu kommen Filme, Ballett und Theater. Es gibt sogar eine Parodie von Charlie Chaplin. Das hätte damals, im Jahr 1875, wirklich niemand vermutet.

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