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«Unerschrocken und tapfer» : Museum verteidigt Drogendealer

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Eine Ausstellung in Berlin befasst sich mit afrikanischen Drogenhändlern. Weg vom Klischee, hin zum menschlichen Schicksal sei das Ziel, so die Macher. Konflikte sind beim Thema vorprogrammiert.

shz.de von
erstellt am 25.Okt.2017 | 18:10 Uhr

Für die einen sind sie Kriminelle, die Drogen an Jugendliche verkaufen und Parkbesucher terrorisieren. Für die anderen sind sie arme Flüchtlinge, die zum Überleben harmlose Substanzen an feierwütige Touristen weitergeben und sonst die multikulturelle Stadt bereichern.

An den überwiegend aus Afrika stammenden Dealern, die in Berliner Innenstadtbezirken unterwegs sind, scheiden sich die Geister. Die Berliner Ausstellung «Andere Heimaten - Herkunft und Migrationsrouten von Drogenverkäufern in Berliner Parks» will für mehr Verständnis werben - und übertreibt es zum Teil mit der Verteidigung.

Man wolle sich dem Thema Drogendealer aus einer anderen Perspektive nähern, stellen die Ausstellungsmacher des Friedrichshain-Kreuzberg Museums in einer Ankündigung für die Eröffnung am 21. November fest. «Schwarze Menschen sind zum Sinnbild der Drogenverkäufer im öffentlichen Raum geworden.» Der Dealer sei «für die Öffentlichkeit, Politik und Medien (...) Sündenbock und Projektionsfläche für kollektiven Hass. Hass auf Drogenverkäufer, Hass auf schwarze Menschen und die ewigen Widersprüche der Drogenpolitik.»

Dann folgt ein Satz, der Widerspruch auslöste: «Vor dem Hintergrund dieser vielfältigen Widerstände arbeiten Drogenverkäufer unerschrocken und tapfer im öffentlichen Raum.» Die «Bild»-Zeitung, die am Mittwoch zuerst über das Thema berichtete, machte daraus die Überschrift: «Berliner Museum feiert Drogen-Dealer.»

Die Ausstellung will, so das Ziel ihrer Macher, hinter die Klischees «Dealer» und «Afrika» sehen und die menschlichen Seiten des Problems darstellen. Es geht um die afrikanischen Herkunftsorte und Migrationsrouten der Einwanderer. Außerdem können Besucher über ein digitales Portal Reisen in diese Herkunftsorte planen.

Was Tatsache ist: Seit vielen Jahren stehen zahlreiche schwarze Männer den ganzen Tag einzeln oder in Gruppen im Görlitzer Park, an allen Wegen und Eingängen und in den umliegenden Straßen bis über die Spree nach Friedrichshain. Viele Dutzend sind es immer, an manchen Tagen auch mal 200. Sie verkaufen Drogen, meist Marihuana, aber auch Kokain und Ecstasy. Die meisten Spaziergänger werden angesprochen: «Hi, how are you?», «Need something?», «Weed, Weed?». Die Arbeit ist aufgeteilt. Einer stellt den Kontakt her, einer nimmt das Geld, ein anderer holt den in Erdlöchern oder hinter Bäumen versteckten Stoff und übergibt ihn.

Verschiedene Taktiken gegen den ausgeuferten Drogenhandel waren mäßig erfolgreich. Eine «Null-Toleranz-Strategie» dämmte das Problem kaum ein und verdrängte Verkäufer in die Seitenstraßen. Den meisten Männern ist schwer etwas nachzuweisen. Werden Drogenhändler nach Polizeirazzien aus dem Verkehr gezogen, rücken neue Flüchtlinge nach. Seit diesem Jahr gibt es einen Parkmanager und sogenannte Parkläufer. Sie sollen mit den Dealern reden und ihnen klarmachen, dass sie weniger aggressiv auftreten und junge Frauen und Familien mit Kindern in Ruhe lassen.

Die Ausstellung will nun den «Widerspruch zwischen dem akzeptierten (und legalen) Akt des Cannabis-Konsums und dem skandalisierten und kriminalisierten Akt des Verkaufs von Cannabis» betonen. Entworfen wurde das Projekt von dem Konzeptkünstler Scott Holmquist, der schon die Marihuana-Produktion in Kalifornien begleitete und 2016 mit einem Antrag für ein Denkmal für Drogenverkäufer scheiterte.

Hinter dem Museum steht das von den Grünen geführte Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg. Die Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne) verteidigte die Ausstellung in der «Bild»-Zeitung als Auseinandersetzung mit einem Problem, das sich nicht löse, wenn man es totschweige.

Widerspruch kommt von der FDP. «Das Problem des illegalen Drogenhandels löst man nicht durch Duldung des permanenten Rechtsbruchs wie bei den Grünen in Kreuzberg», kritisierte der Innenpolitiker Marcel Luthe. Die Dealer würden erst Suchtkranke schaffen, «die diese Ausstellung mit der Relativierung ebenso verhöhnt wie den Rechtsstaat».

Gefördert wird das Projekt von der Rosa-Luxemburg-Stiftung der Linken, dem Hanf Museum, einer Firma für medizinisches Cannabis sowie dem Kreuzberger Fußballverein THC Franziskaner, benannt nicht nur nach einer Kreuzberger Kneipe, sondern auch dem berauschenden Inhaltsstoff von Cannabis.

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