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Musik und Kongresshalle in Lübeck : MuK: Teurer Pfusch – keine Haftung

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Mit der Entscheidung der Lübecker Bürgerschaft für die Sanierung der Musik- und Kongresshalle wird das ganze Ausmaß des Skandals deutlich

shz.de von
erstellt am 30.Jan.2016 | 13:06 Uhr

Friede, Freude, MuK-Sanierung? In Lübeck herrscht Erleichterung darüber, dass die Lübecker Bürgerschaft die gesperrten vier Millionen Euro für die Sanierung der Lübecker Musik- und Kongresshalle (MuK) freigegeben hat – zwar erst nach einstündigen Streitgesprächen über den knappen Finanzierungsplan und geforderte Auflagen, am Ende aber doch einstimmig. Denn ohne MuK, darauf hat auch die Industrie- und Handelskammer hingewiesen, muss die Stadt um ihren kulturellen Ruf fürchten. In Sachen Sicherheit muss das Haus einen guten Ruf allerdings erst einmal wieder herstellen.

Die Zukunft der maroden Musik- und Kongresshalle betrifft das ganze Land.  Sie ist einer der Spielorte des Schleswig-Holstein Musik Festivals, das viele Besucher anzieht. Doch in der MuK finden wegen der Bauarbeiten weniger Meschen Platz. Das bedeutet hohe finanzielle Verluste.

Christian Kuhnt, Intendant des Schleswig-Holstein Musik Festivals, hat es nicht anders erwartet: „Ich freue mich sehr darüber, dass Lübeck zur MuK steht“, sagte er gestern zum Bürgerschafts-Votum. „Damit ist ein Etappenziel erreicht.“ 2017 soll das SHMF wieder im Konzertsaal eröffnet werden. Dessen unsachgemäß eingebaute Deckenkonstruktion zog vergangenes Jahr bekanntlich die Entdeckung eines wahren Rattenschwanzes an weiteren Mängeln und Baustellen nach sich.

Geradezu gruselig mutet an, was Sachverständige vergangene Woche im Bauausschuss berichteten: Im Brandfall wäre die von Anfang an unsachgemäß eingebaute Akustikdecke im großen Saal schon nach wenigen Minuten abgestürzt, bei einer Evakuierung wären Türen im Konzertsaal zu schmal, Fluchtwege entsprächen nicht der Baugenehmigung.

 

„Ein Wunder, dass da nichts passiert ist“, hieß es jetzt auch in der Bürgerschaft. Klar ist, dass gepfuscht wurde, unklar ist, wer den Pfusch verursacht hat. Im 22. Jahr nach Eröffnung des Gebäudes sind etliche der Unterlagen beseitigt und Lübeck wird die Zeche zahlen müssen. Zu diesem Ergebnis ist auch das städtische Rechtsamt gekommen: Regressansprüche sind verjährt.

8,4 Millionen Euro wird die Beseitigung der Schäden in Konzertsaal und Foyer in der ersten Bauphase kosten, über die jetzt freigegebenen vier Millionen Euro hinaus hat auch das Land zwei Millionen Euro zur Rettung des „herausragenden Veranstaltungs- und Konzertorts“ beigesteuert.

„Die Landesregierung ist mit Ihnen darin einig, dass die Musik- und Kongresshalle Lübeck ein wichtiger Bestandteil der kulturellen Infrastruktur in Schleswig-Holstein ist“, schrieb Kulturministerin Anke Spoorendonk noch vergangene Woche an Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe. Mehr Geld ist vom Land allerdings kaum zu erwarten, im Brief ist von „maximal zwei Millionen“ die Rede. Mit einer weiteren Million Euro ist außerdem die Possehl-Stiftung dabei.

Dass die MuK ein Leuchtturm mit weit reichender Strahlkraft ist, ist auch aus der Industrie- und Handelskammer zu hören: „Sie ist für den Kongressstandort Lübeck von großer Bedeutung – und für ihre Qualität als Konzerthalle gibt es in Schleswig-Holstein kaum eine Alternative“, so Präses Friederike C. Kühn. Darüber herrschte jetzt auch in der Bürgerschaft Einigkeit; beim Geld allerdings schieden sich die Geister, vor allem, weil dem ersten Bauabschnitt, bei dem Gefahren für „Leib und Leben“ (Bausenator Franz Peter Boden) beseitigt werden, ab 2018 ein weiterer folgt, bei dem unter anderem die Fassade saniert werden muss.

Knapp 14 Millionen Euro sind dafür derzeit veranschlagt, und die sollen nach dem jüngst bekundeten Willen von CDU und Grünen nicht aus dem städtischen Haushalt, sondern mit Drittmitteln finanziert werden.

Eine Chronologie der Ereignisse rund um die MuK finden Sie hier.

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