Vermüllung der Meere : „Möwen. Müll. Und Meerjungfrauen“ – Schmutziger Humor auf Föhr

Puppenkleider aus Müll: Die Krake mit den Plastikaccessoires hat den 2. Platz bei den Illustrationen gewonnen.
Puppenkleider aus Müll: Die Krake mit den Plastikaccessoires hat den 2. Platz bei den Illustrationen gewonnen.

Die Ausstellung im Föhrer Friesenmuseum wirft einen kritisch-komischen Blick auf die Verschmutzung der Meere

Martin Schulte ist Leiter der Kulturredaktion des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags. von
19. September 2020, 14:17 Uhr

Föhr | Das Thema taugt eigentlich nur bedingt zur Unterhaltung – und dennoch ist das, was Ari Plikat daraus macht, einfach saukomisch. Ein Mann steht im Meer, um ihn herum dümpeln unzählige Flaschen in einer wellenfreien Plörre und der Kerl denkt wieder mal nur an das Eine: „So viel Pfand, jetzt noch eine Plastiktüte.“

Schräger Fokus: Der Flaschensammler.
ari plikat
Schräger Fokus: Der Flaschensammler.
 

Dieser Cartoon ist humorvoll und hintergründig, er bringt zusammen, was dieses Genre so stark macht: Das Spiel mit den Erwartungen, den kritischen Blick auf die Gesellschaft und – nicht zuletzt – guten Humor. Oder in diesem Fall: schmutzigen Humor.

Konzentrierte Satire

Cartoons und Illustrationen sind, wenn sie gut gemacht sind, große Kunst, denn sie müssen in einem Bild ganze Geschichten erzählen, ohne den Betrachter zu bevormunden oder ihn zurücklassen. Dieser Grat ist schmal, aber auf ihm entscheidet sich oft die Qualität dieser Ein-Bild-Satire.

Klimawandel ist nur eine Frage der Einstellung.
til mette
Klimawandel ist nur eine Frage der Einstellung.
 

Ari Plikat ist einer von fast 100 Künstlern aus aller Welt, die für den Wettbewerb zum Thema „Möwen. Müll. Und Meerjungfrauen“ ihre ganz eigene Sicht auf das Thema Meeresverschmutzung umgesetzt haben. Die besten Arbeiten werden ab morgen im Föhrer Friesenmuseum gezeigt, auch Plikats Werk natürlich; sein pfandfixierter Schwimmer hat den Cartoon-Wettbewerb gewonnen.

Für Kurator Jörg Stauvermann, der gestern noch mit dem Aufbau der Ausstellung beschäftigt war, ist es vor allem die Bandbreite der Arbeiten, die diese Schau so besonders macht: „Hier hängen Werke von Leuten, die richtig Geld mit ihrer Kunst machen, neben welchen von Teilnehmern, die sich wegen des Themas mit einer Arbeit beworben haben und sonst in einem ganz anderen Kreativbereich unterwegs sind.“

Außergewöhnlich ist sicherlich auch, dass hier Cartoons, Comics und Illustrationen gleichberechtigt behandelt werden. Daraus ergibt sich eine bemerkenswerte Vielfalt an den blau bemalten Ausstellungswänden, die inmitten der historischen Exponate stehen, welche im Föhrer Heimatmuseum die Geschichte der Insel erzählen. Dieser Mix ist ein kluger Schachzug, denn natürlich gehört die Verschmutzung der Meere zur Insel wie der Walfang oder alte friesische Bräuche. Gerade jetzt, da die Insel immer noch von Touristen überlaufen wird, müssen die Strände jeden Morgen von Müll befreit werden.

Mensch und Meer

Insgesamt werden im Friesenmuseum unter dem Titel „Möwen. Müll. Und Meerjungfrauen“ 120 Arbeiten gezeigt, weitere 40 kommen Ende Oktober im Nieblumer Dörpshus und im Utersumer Haus des Gastes dazu. Man darf also durchaus behaupten, dass die Schau und vor allem ihr kritischer Blick auf das Verhältnis von Mensch und Meer die ganze Insel in Beschlag genommen haben – zumal alle Gäste, die von den Fähren kommen, mit einem großen Ausstellungs-Banner empfangen werden.

Ein Besuch im Friesenmuseum lohnt sich in jedem Fall, auch wenn nicht alle Cartoons gleich vielschichtig und lustig sind, einige sind sogar ziemlich platt. Aber man kann ja auch diesen Umstand positiv wenden und einfach behaupten: Es ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Und das ist doch auch was, zumindest dann, wenn am Ende bei allen Besuchern ein Denkprozess einsetzt – über den Umgang mit dem Müll, den Meeren und, ja, vielleicht auch mit den Meerjungfrauen. Die Möwen machen ja ohnehin, was sie wollen.

„Möwen. Müll. Und Meerjungfrauen“, Friesenmuseum Föhr, Rebbelstieg 34, Wyk. Bis 18. April 2021. www.friesen-museum.de. Im Lappan Verlag ist ein Katalog erschienen.

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