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Mit dem Blick des Nobelpreisträgers

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Thomas Manns Verbindungen zur bildenden Kunst

von
erstellt am 12.Sep.2014 | 17:48 Uhr

Einheimische wie Besucher kennen das: Thomas Mann ist überall und im Jahrestakt gerät in Lübeck ein anderer Aspekt in den Fokus. Jetzt ist dem Literaturhaus an der Mengstraße im Verein mit dem Behnhaus Drägerhaus ein neuer, erfrischend weiter Blick gelungen: „Augen auf! Thomas Mann und die bildende Kunst“ ist die Doppelausstellung überschrieben, deren Eröffnung gestern auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters von der Spree an die Trave lockte.

Thomas Mann und Wagners Musik – ja, diese Verbindung ist hinlänglich bekannt. Aber Thomas Mann und bildende Kunst? Tatsächlich galt die Nähe des Schriftstellers zur Malerei und Bildhauerei Kulturwissenschaftlern noch bis vor wenigen Jahren als gering, und so ist es die erste Ausstellung zu diesem Thema überhaupt, die sich in Lübeck mit rund 300 Exponaten in zwei Häusern üppig, erzählfreudig und säuberlich aufgeteilt ausbreitet: Das Behnhaus widmet sich der bildenden Kunst, wie sie Thomas Mann ein Leben lang begegnet ist, das Buddenbrookhaus versammelt vorrangig Illustrationen zu seinen Texten.

Natürlich hängt Ludwig von Hofmanns „Die Quelle“ im Behnhaus, dieses Bild von den nackten arkadischen Jünglingen, das Thomas Mann 1914 in München auf Anhieb in Bann zieht, das er ergattert und das ihn fortan durch Exil und Wiederkehr begleiten wird. „Das Original!“ sagt Alexander Bastek halb feierlich, halb selbstironisch; die Leihgabe aus Zürich hängt auf dem thematischen musealen Wanderweg zwischen der scheinbar nüchternen Kaufmannsstadt Lübeck, in der Mann geboren wird, und München, wo er im Haus seiner künftigen Schwiegereltern, dem Ehepaar Pringsheim, die breite Palette des bürgerlichern Umgangs mit Kunst kennenlernt. Den „Kinderkarneval von Friedrich August von Kaulbach“ entdeckt er hier im Original; als Reproduktion, herausgetrennt aus einer Zeitung, hatte er sich dieses Bild schon als 14-jähriger in sein Lübecker Zimmer gehängt; 1905 wird das dunkeläugige Kind ganz links – Katia Pringsheim – seine Frau.

Geschichten sind zuhauf in der Doppelschau zu entdecken. Beeindruckend reichhaltig wird dem Besucher vor Augen geführt, dass Thomas Manns Kontakt zur Kunst nicht erst im vermeintlich sinnenfroheren München zustande kommt, sondern schon im kühlen Norden befeuert wird: zum Beispiel im Haus der Großmutter, heute das Buddenbrookhaus. Eine Zeichnung Karl Gatermanns gibt einen Eindruck von hanseatischer Lebensart. Zum Beispiel mit den Zeichnungen Carl Julius Mildes, der schon im 19. Jahrhundert den Lübeckern entgegenhielt, in was für einem kunstvollen künftigen Unesco-Weltkulturerbe sie leben“ (Bastek).

Vor allem aber arbeitet die Ausstellung die Bedeutung von bildender Kunst auf das schriftstellerische Werk Thomas Manns heraus. Die wird am augenfälligsten in der lebensgroßen Wiedergabe des „Bürgermeister William Henry O’Swald“ 1905 von Max Slevogt. Diese Darstellung wird sich in der Großvater-Beschreibung des Hans Castorp im „Zauberberg“ niederschlagen.

Und auch ein Rätsel steckt in dieser Mammut-Schau: Gesucht wird „Das Herz“ des Berliners Martin Brandenburg. 1900 bekam Thomas Mann in München dieses „liebste Bild der ganzen Ausstellung“ zu Gesicht. Es ist verschollen. Die Ausstellungsmacher fahnden nach dem Original.


Doppelausstellung „Augen auf! Thomas Mann und die bildende Kunst“, bis zum 6. Januar 2015 im Lübecker Behnhaus Drägerhaus, Königstraße 9-11, und im Buddenbrookhaus, Mengstraße 4. www.die-luebecker-museen.de








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