Michail Gorbatschow mit dem Marion Dönhoff Preis geehrt

Der ehemalige sowjetische Staats- und Parteichef  Michail Gorbatschow (rechts) erhielt gestern vom Laudator und ehemaligen deutschen Außenminister Hans-Dietrich Genscher den Marion Dönhoff Preis für internationale Verständigung und Versöhnung.  Foto: dpa
Der ehemalige sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow (rechts) erhielt gestern vom Laudator und ehemaligen deutschen Außenminister Hans-Dietrich Genscher den Marion Dönhoff Preis für internationale Verständigung und Versöhnung. Foto: dpa

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29. November 2010, 03:59 Uhr

Hamburg | Der ehemalige sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow (79) ist gestern mit dem Marion Dönhoff Preis für internationale Verständigung und Versöhnung ausgezeichnet worden.

Die Laudatio hielt in Hamburg der frühere Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP). Gorbatschow hatte mit seiner Politik von "Glasnost" (Offenheit) und "Perestroika" (Umgestaltung) das Ende des Kalten Krieges eingeleitet. Bis heute setze er sich mit der von ihm gegründeten Gorbatschow-Stiftung für weltweiten Frieden, humanitäre Hilfe und Verständigung zwischen den Völkern ein, begründete die Jury die Verleihung der mit 20 000 Euro dotierten Auszeichnung.

Persönliche Worte stellte Gorbatschow beim Festakt im voll besetzten Schauspielhaus seiner Dankesrede voran. "Ich habe mich gestern mit Altbundeskanzler Schmidt getroffen. Wir hatten ein langes Gespräch. Und ich habe dabei verstanden, dass es noch viel zu tun gibt." Für den politisch schwierigen Prozess der deutschen Wiedervereinigung betonte Gorbatschow noch einmal die historische Rolle der Bürger der UdSSR: "Das sowjetische Volk hat Verständnis aufgebracht für seinen schon damaligen Partner und ehemaligen Feind, der sich aber geläutert hatte." Selbst Politiker wie Francois Mitterand und Margaret Thatcher hätten sich dem Willen seines Volkes beugen müssen.

Zu aktuellen Lage in seiner Heimat erklärte der frühere Spitzenpolitiker: "Russland befindet sich auf dem Weg des demokratischen Übergangs und hat vielleicht die Hälfte des Weges hinter sich gebracht. Einer der wichtigsten Partner ist das heutige Deutschland."

Gorbatschow plädierte für ein starkes Europa inklusive Russland in Gemeinsamkeit mit den Vereinigten Staaten: "Es wird nicht einfach, eine neue Weltordnung zu bauen, die steuerbar wäre. Aber wir haben keine Wahl - es geht nicht anders. Die Konzeption eines vereinigten Europas könnte dabei eine bedeutende Rolle spielen." Den Deutschen wünschte er, keine Angst vor den neuen Problemen zu haben.

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