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Khaled Hosseini im Interview : „Meine Romane sind Liebesgeschichten"

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Er schwimmt ganz oben auf der internationalen Erfolgwelle. Khaled Hosseini, in Kabul geborener Amerikaner, hat auch mit seinem dritten Roman „Traumsammler“ in Dutzenden Ländern einen Bestseller gelandet.

Mailand | Wie schreibt man Romane, die weltweit gelesen werden, was inspiriert den früheren Arzt und heutigen Erfolgsautor Khaled Hosseini (48)? In einem Interview der Nachrichtenagentur dpa erklärt Hosseini, was ihn antreibt, was er nicht schreiben will und ob er für sein geliebtes Land Afghanistan überhaupt Zukunft sieht.

Wie war das mit dem „Traumsammler“, wie kamen Sie darauf, diesen Roman über die Geschwister Pari und Abdullah zu schreiben?
Angefangen hat es mit einer Nachricht, die ich im Internet gelesen habe, und das war ein Jahr, ehe ich mich dann hingesetzt und das Buch geschrieben habe. Es ging darum, dass verarmte Familien ihre Kinder an reiche Leute in Kabul verkaufen mussten, weil sie nicht mehr für sie sorgen konnten. Und diese Vorstellung fand ich unglaublich herzzerreißend. Das erste Kapitel war eigentlich eine Kurzgeschichte, führte aber zum nächsten und so fort. Die Kapitel reihten sich aneinander, und jedes war einer anderen Figur gewidmet, deren Leben mit dem der beiden Kinder in meinem Buch verbunden war.

Sie leben in Kalifornien. Sind Sie auch nach diesem dritten Roman ihrem Land Afghanistan noch so nahe wie beim „Drachenläufer“? 
Mehr noch sogar, denn ich bin mit meiner humanitären Stiftung dort engagiert. So konnte ich oft nach Afghanistan reisen, das Land ist immer noch ein wichtiger Teil meines Lebens. Ich bin kein Einheimischer, versuche also, die Realität zu verstehen, und bin immer vorsichtig genug, mich nicht als Kenner darzustellen. Ich kenne das Land so, wie es jemand kennen kann, der nicht dort lebt.

Der ungeheure internationale Erfolg dürfte Ihr Leben auf den Kopf gestellt haben: der Arzt, der zum Bestsellerautor geworden ist.
Da hat sich viel für mich verändert. Ich habe immer ein Schriftsteller werden wollen, schon als Junge, während doch alle Kinder Astronauten oder Cops sein wollten. Und plötzlich, irgendwie unerwartet, erfüllte sich mein Traum in meinen mittleren Jahren. Das war eine erstaunliche Veränderung, diesen Traum erfüllt zu sehen.

Wie erklärt man sich denn diesen umwerfenden Erfolg?
Das habe ich mich selbst auch oft gefragt. Ich denke, meine Bücher sind zutiefst emotional. Auch wenn sie in Afghanistan spielen und es um dortige Probleme geht, gibt es in ihnen Parallelen zu den anderen Kulturen und zu jedermanns Leben. Universelle Elemente sind das, die Idee von Loyalität, Liebe, Freundschaft, Moral und Familie.

Khaled Hosseini ein „Botschafter“ Afghanistans, der uns im Westen dieses problembeladene Land erklärt? Wie geht es dort weiter? 
Bei diesem „Label“ des Botschafters oder der „Stimme“ Afghanistans würde ich sehr vorsichtig sein. Das kann eine Last für einen Autor sein, vor allem, wenn er, wie ich, seit Jahrzehnten in dem Land nicht mehr lebt. Vermächtnis ist ein großes Wort, aber vielleicht kann man später sagen, ich hätte Afghanistan ins Zentrum des allgemeinen Interesses gebracht. In Afghanistan steht nun eine Übergangsperiode an, mit dem Abzug der internationalen Truppen 2014 und den Wahlen. Die nächsten fünf bis zehn Jahre werden also sehr schwierig. Man muss den Berg der Herausforderungen sehen. Das Land braucht eine neue Generation, die nicht mit Krieg aufgewachsen ist.

Hilft den Afghanen dabei der große Familienzusammenhalt? Familie spielt doch eine entscheidende Rolle in Ihren Romanen.
Alle drei Bücher sind Familiengeschichten. Das ist so ein natürlicher Dreh in meinen Romanen, obwohl ich nie vorhatte, über Familie zu schreiben. Jetzt mag ich es, über Eltern und Kinder zu schreiben, über ihre Konflikte, wie sie sich lieben und verletzen, einander hassen und doch zu Hilfe kommen. Familie ist in meinem Leben etwas ganz Zentrales, unter Afghanen wird man nicht als ein Individuum verstanden, sondern als der Teil eines größeren Ganzen.

Im „Traumsammler“ ist es diese herzergreifende Verbindung der beiden Geschwister. Es erscheint wie eine ganz spezielle Love Story.
Meine Romane sind Liebesgeschichten, allerdings keine im romantischen Sinne. Liebesgeschichten interessieren mich, aber nur, wenn sie in der Familie spielen oder sehr seltsame Beziehungen sind. Also nicht das traditionelle Junge-trifft-Mädchen, romantische Liebe als eine Art dramaturgisches Werkzeug hat mich nie interessiert. Und Geschwister gehören zu einer Familie, sie teilen die sehr intensiven Erfahrungen während ihrer Kindheit, teilen Geheimnisse. Erwachsene sind so oft davon geprägt. Von Liebe, Neid und Eifersucht, all den Emotionen ihrer Kindheit, ob gut, traurig, tragisch oder glücklich.

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erstellt am 23.Okt.2013 | 11:47 Uhr

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