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Meat Loaf auf Abschiedstour: Zwischen Demut und Demontage

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shz.de von
erstellt am 07.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Hamburg | Eine Knieoperation, der eine zweite folgen soll, insgesamt 18 Gehirnerschütterungen, durch die sich der Raum permanent um ihn dreht: Es sind nicht nur die notorischen Stimmprobleme, die den "Fleischklops" aus Texas zum Abschied von der Showbühne zwingen. "Danke Hamburg, dass ihr einen 65-jährigen nochmal spielen lasst. Ohne euch hätte es mich nie gegeben", beschwört ein sichtlich bewegter Meat Loaf seine Anhänger in der O2 World. Mit der "Last at Bat Farewell Tour" verabschiedet sich das Rockfossil von einem Publikum, das nach der dreistündigen Show hin- und hergerissen sein dürfte. Dankbarkeit und Demut, dazu das Gefühl, der Demontage einer Legende beizuwohnen, dürften sich die Waage gehalten gehalten haben.

Im paillettenbesetzten schwarzen Anzug humpelt das Schwergewicht, das als Eddie in der "Rocky Horror Picture Show" bekannt wurde, über die Bühne und schnauft: "Life is a lemon and I want my money back". Der knödelnd-wagnerianische Operntenor ist noch in Ansätzen vorhanden, doch die Töne trifft der als Marvin Lee Aday geborene Entertainer selten. Wie gut, dass eine bestens aufspielende Begleitband und die fantastische Patti Russo das stimmliche Manko ausgleichen.

Höhepunkt der Selbstinszenierung, ist der zweite Teil des Abends, der ganz im Zeichen des 45 Millionen Mal verkauften "Bat out of hell" steht. Zum Titelsong wird eine überdimensionale Fledermaus aufgeblasen, bei "Paradise by the dashboard lights" inszenieren Loaf und Patti Russo den einstigen Streit zwischen ihm und seiner Jugendliebe. Diese nämlich habe einst die erotischen Tändeleien im Auto immer an der schönsten Stelle unterbrochen, weil sie zunächst einen Treueschwur des Sängers einforderte.

Dass man einen Klassiker tonal massakrieren kann, zeigt der stiernackige Entertainer dann aber bei der unvermeidlichen Zugabe "Id do anything for love", bei der selbst hartgesottene Anhänger beschämt zu Boden blicken. Standing Ovations gibt es für den "ehrlichen Arbeiter des RocknRoll", der seine Gesundheit auf Tourneen notorisch ruinierte, natürlich dennoch.

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