24. Fall : Martha Grimes schickt Inspektor Jury auf Mörderjagd

«Inspektor Jury und der Weg des Mörders» von Martha Grimes. Goldmann Verlag/Random House
«Inspektor Jury und der Weg des Mörders» von Martha Grimes. Goldmann Verlag/Random House

Martha Grimes Phantasie kennt keine Grenzen. Dieses Mal verlegt sie einen der Schauplätze in ihrem neuen Roman «Inspektor Jury und der Weg des Mörders» nach Kenia. Doch vorwiegend ermittelt der charismatische Polizist in London.

shz.de von
13. August 2019, 12:42 Uhr

Ein skurriler Mord, eine verschworene Taxifahrer-Truppe, eine abgefahrene Kinder-Gang und ein überirdischer Ermittler - das sind die Zutaten des aktuellen Kriminalromans von Martha Grimes, «Inspektor Jury und der Weg des Mörders».

Der Roman spielt größtenteils mal nicht im angestammten Umfeld des Polizisten, Long Piddleton, sondern inmitten der britischen Hauptstadt. Im neuen Fall des Inspektors - mittlerweile der 24. - hat die 88-jährige US-Amerikanerin fantastische Konstellationen geschaffen, die möglicherweise unrealistisch, aber sehr unterhaltsam sind.

Mehr noch als in ihren früheren Romanen lässt sie Straßenkinder eine Hauptrolle spielen, für die sowohl der Inspektor als auch sein Freund und Unterstützer, der Earl of Caverness, große Sympathien hegen und ihnen nicht nur nebenbei viel zu verdanken haben. Alles beginnt mit einer rasanten Fahrt durch London. Der Taxifahrer Robbie Parsons, der gerade Zeuge eines Mordes an einem Ehepaar wurde, muss ausgerechnet jenen Mann rumkutschieren, der vor seinen Augen die Schüsse auf Rebecca und David Moffit abgegeben hat, und nun um sein eigenes Leben fürchten.

Es mutet fast wie ein Wunder an, dass der Fahrgast, statt sich des unliebsamen Beobachters zu entledigen, an der Waterloo Station aussteigt, den Chauffeur großzügig samt Kompliment entlohnt und dann in aller Seelenruhe verschwindet. Während der verblüffte Parsons und seine Taxi-Kollegen daraufhin eine Verfolgungsaktion mit Hilfe von Straßenkindern starten, versucht die Polizei, die Hintergründe für die tödlichen Schüsse auf die Moffits herauszufinden. Jury, der eigentlich nicht mit diesem Fall betraut wurde, mischt sich ein, als er erfährt, wer die Toten sind. Er hatte sie kurz zuvor kennen- und schätzen gelernt.

Schauplätze sind neben einer renommierten Galerie mit integriertem Spielkasino auch ein anonymer Treffpunkt eingeschworener Taxifahrer in London, die kenianische Hauptstadt Nairobi und Umfeld sowie diverse andere Orte im In- und Ausland. Deswegen und wegen der großen Schar Mitwirkender ist die Konstruktion des Falls zwangsläufig ebenfalls multidimensional. Für das Verständnis ist die Komplexität kein Hindernis - zumal Grimes mit leichter Feder und Mutterwitz manche Klippe elegant umschifft.

Was allerdings beim Lesen zumindest hochgezogene Augenbrauen fördert, sind einige Szenarien, die fraglos wirklichkeitsfern sind, wozu wohl auch (leider) ein Stück weit die Figur des liebenswürdigen Inspektors Jury gehört. Wen das nicht stört, wird an der Lektüre des Romans, den Grimes wie gehabt in der Tradition des klassischen englischen Krimis à la Agatha Christie verfasst hat, seinen Spaß haben - auch, weil es wieder Neues aus dem privaten und beruflichen Umfeld des Polizisten zu lesen gibt. Erfahrungsgemäß ein suchtförderndes Mittel bei Serien.

Martha Grimes, die an der University von Maryland Anglistik studiert und viele Jahre Literatur und kreatives Schreiben gelehrt hat, ließ Richard Jury 1981 zum ersten Mal ermitteln - damals schon und wie später so oft in dem fiktiven Örtchen Long Piddleton. Seither lebt die Amerikanerin ihr Faible für die britische Spannungsliteratur aus - ähnlich wie ihre bekannte Landsfrau und Kollegin Elizabeth George (Inspektor Lynley).

Nicht nur die Jury-Romane (teilweise verfilmt und/oder als Hörspiel aufgenommen), sondern auch die Reihe um die Jugendliche Emma Graham sowie andere Krimis haben die aktive Tierschützerin weltberühmt gemacht. Von ihren fast 40 Büchern wurden allein im deutschsprachigen Raum rund dreieinhalb Millionen verkauft. «Der Weg des Mörders» wird vermutlich ebenfalls ein Erfolg. Und das zu Recht.

- Martha Grimes: Inspektor Jury und der Weg des Mörders, Goldmann Verlag, München, 512 Seiten, 20,00 Euro, ISBN 978-3- 4423-1513-0.

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