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Pole-Poppenspäler-Tage Husum : Mark Schnittger: Figurentheater mit Hand und Fuß

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Kieler Puppenspieler Marc Schnittger ist eine feste Größe der Pole-Poppenspäler-Tage in Husum und gehört zu den Innovativsten der Branche

Marc Schnittger schimpft – aber nur kurz und mit einem Augenzwinkern, denn der Grund für seinen Unmut ist nicht neu und der Rauch daher schnell verflogen. Zurzeit beschäftigt sich der Kieler Puppenspieler mit dem dritten Bild von „Garten der Lüste“, das Grundlage seiner neuen Inszenierung wird.

Schnittger spielt Gott. Puppenspieler dürfen das. Die Köpfe der Hauptdarsteller, die er dafür modelliert, sind zunächst aus Ton – ein Werkstoff, der in Verbindung mit anderen Materialien „schnell schimmelt“, sagt er. Daher müssen Gott, Faust und die anderen immer erst gereinigt werden, bevor sie weiter Konturen annehmen dürfen. Frühjahrsputz zwischen Himmel und Hölle – so hat es der Schauspieler, Puppenspieler und Figurenbildner gern.

Seit 1988 arbeitet Schnittger am charakteristischen Stil seines Theaters, in dem er Schauspiel und Figurentheater mit Handpuppen und lebensgroßen Figuren kombiniert. Dabei balanciert der 48-Jährige elegant auf dem Hochseil zwischen szenischer Miniatur und kraftvoller Dramatik. Die Pole-Poppenspäler-Tage in Husum, die in diesem Jahr den 31. Geburtstag feiern, waren für Schnittger eine wichtige Wegmarke. Hier erfuhr er seine ersten Inspirationen als Puppenspieler, hier reifte auch sein Entschluss, selbst ins Figurentheater-Geschehen eingreifen zu wollen, und hier lernte er 1991 Gerhard Mensching kennen, mit dem er sich nach der Vorstellung angeregt unterhielt. Zehn Jahre später sichtete Schnittger den Nachlass der Puppenspieler-Ikone und stellte daraus ein Szenenprogramm zusammen, das inzwischen selbst Kultstatus erlangt hat: „Handlungen“.

Ein Begriff, der durchaus wörtlich zu nehmen ist, denn die Episoden werden mit einem Minimum an Ausstattung in Szene gesetzt: einen Handschuh und einen Kunststoffkopf, mehr braucht es nicht. Der Rest ist eine Melange aus gutem Spiel, der Fantasie des Publikums und einer Kunstsprache, die Mensching eigens für das Figurentheater entwickelt hat. „Die Besonderheit liegt darin, dass sie nicht zu verstehen ist, aber haargenau zum Geschehen auf der Bühne passt“, sagt Schnittger. Zum Beispiel, wenn die rechte Hand mit einem Degen auf die linke losgeht und ruft: „Ha, Spurkelfink! Deine Kaume rispelt nun!“

Den ersten „Handlungen“ hat der umtriebige Theatermann längst weitere folgen lassen. Und so wird er das diesjährige internationale Figurentheater-Festival in Husum mit einem „Best of Handlungen“ beschließen (21. September, ab 20 Uhr im Rittersaal des Schlosses).

Kinderstücke, gemeinsame Produktionen mit Oper und Theater, dramatische Inszenierungen für Erwachsene, Episoden-Programme – bislang hat Marc Schnittger die ganze Bandbreite seines Genres bedient. Doch künftig will er sich stärker konzentrieren. „Natürlich habe ich Lust auf alles“, sagt er, „aber Vielfalt macht auch unberechenbar.“ Im neuen Stück geht es um Hybris, um die Hybris des modernen Schöpfertums, die Wissenschaft. „Ich mag den Goetheschen Faust nicht, räumt Schnittger ein, aber hier werde er seinen Platz bekommen – im Gewand eines Chirurgen à la Christiaan Barnard. Der bekomme auch Hilfe vom Teufel, aber ganz anders als bei Faust – grotesk und absurd: Schnittgers Faust dekonstruiert Gott – ein altes hutzeliges Männchen, das keine Lust auf die Welt mehr hat. „Aber auch der Teufel kriegt nichts mehr auf die Reihe“, verspricht er. „Alles ist so herrlich hoffnungslos.“ Wenn das kein Ansporn ist?! Im Herbst 2015 soll es so weit sein, sagt Schnittger. Davor kommt aber erst einmal Husum.

>Näheres zum Festival und Karten unter www.pole-poppenspaeler.de

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