Interview mit Axel Prahl : „Man will, was man gerade nicht hat“

Er blickt gerne hinaus aufs Meer: Axel Prahl, Deutschlands beliebtester TV-Kommissar, ist ein Kind der Küste und hat als Musiker der See Lieder gewidmet.
Er blickt gerne hinaus aufs Meer: Axel Prahl, Deutschlands beliebtester TV-Kommissar, ist ein Kind der Küste und hat als Musiker der See Lieder gewidmet.

Weltmeere, Weihnachten – Schauspieler Axel Prahl alias „Tatort“-Kommissar Thiel über Horizonte und Heimathäfen.

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26. Dezember 2014, 12:48 Uhr

Axel Prahl hat sich stets zu neuen Ufern aufgemacht in seinem Leben. Ein Lehramts-Studium in Kiel brach er nach fünf Semestern ab, er wurde Schauspieler, so auch beim Schleswig-Holsteinischen Landestheater. Mittlerweile gilt Prahl als einer der vielseitigsten Schauspieler des deutschen Films. In seiner Rolle als Frank Thiel ermittelt er als einer der populärsten „Tatort“-Kommissare in Münster, zusammen mit Jan Josef Liefers, der den bornierten Gerichtsmediziner Boerne spielt. 2011 veröffentlichte er seine erste Platte „Blick aufs Mehr“. In diesem Jahr legte er nach: Der 54-Jährige verlegte sein erstes Buch. „Wilde Welle“ heißt das im Ankerherz Verlag erschienene Werk – eine Auswahl der besten Geschichten alter Kapitäne. Prahl, der in Neustadt in Holstein aufgewachsen ist und derzeit in Berlin lebt, bleibt im Herzen ein Kind der Küste.

Herr Prahl, nach dem Lesen Ihrer Geschichte zur Auswahl der besten Kapitänsgeschichten muss man diese Frage stellen: Wenn Sie aufs Meer hinausblicken – welche Sehnsucht tut sich da bei Ihnen auf?
Das Wunderbare an der See ist für mich, dass man nur den Horizont hat und nichts, was das Auge hält. Man kann die Gedanken fließen lassen. Ich bin auch gerne auf einem Boot unterwegs, wie beim Törn für die „Wilde Welle“. Gerne übrigens auch bei Seegang.

Die kaum zu zähmende, Jahrtausende alte Sehnsucht des Menschen, die Sie in „Wilde Welle“ ansprechen, das Fernweh und die Suche nach Abenteuer – gerade an Weihnachten hingegen wollen viele Menschen in einen vertrauten Hafen einlaufen. Wie erklären Sie sich diesen Widerspruch?
Das Leben ist doch von Widersprüchen geprägt, oder? Man will doch immer genau das, was man gerade nicht hat. Erfüllt ist das Leben dann, wenn man die Balance hinbekommt. Ich bin beruflich viel unterwegs gewesen in diesem Jahr und freue mich jetzt besonders auf meinen Heimathafen.

Der vertraute Hafen – liegt der für Sie irgendwann einmal wieder in Schleswig-Holstein?
Sag niemals nie! Ich mag die Küste und die Menschen hier. Aber mein Beruf spielt derzeit woanders und das Umfeld meiner Kinder befindet sich in Berlin. Wir werden sehen.

Vielleicht mal ganz unphilosophisch: Wie verbringen Sie die Festtage – und was kommt bei Ihnen auf den Tisch?
Bei uns gibt es Gänsebraten mit Rotkohl und Klößen. Meine Frau Silja kocht ganz fantastisch!

Wenn Ihnen an Weihnachten auch Zeit zum Lesen bliebe – welche Geschichte der alten Kapitäne hat Sie persönlich am meisten berührt?

Eine schwierige Frage, denn mir liegen alle Kapitäne aus der „Wilden Welle“ am Herzen. Am stärksten fühle ich mich Kapitän Jürgens aus Kiel verbunden, dessen Hörbuch „Sturmkap“ ich auch einlas. Vor drei Jahren sind wir gemeinsam mit Ankerherz um Kap Hoorn und in die Antarktis gereist.

Mal vom Blick in die Ferne auf das nahe 2015 umgeschwenkt – wohin werden Sie im kommenden Jahr aufbrechen und wo wollen Sie ankommen?

Ich werde eine neue CD aufnehmen und knapp 25 Konzerte spielen. Hinzu kommen zwei „Tatort“-Drehs und vermutlich ein Spielfilm. Langweilig wird mir bestimmt nicht.

 
 

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