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Kunst : Maler zeichnet gleichzeitig in drei Städten

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Ein Maler, zwei Roboter, drei Gemälde: Der Künstler Alex Kiessling griff mit Hilfe ausgefeilter Technik gleich in drei Städten gleichzeitig zum Stift.

shz.de von
erstellt am 26.Sep.2013 | 14:53 Uhr

Als er am Donnerstag im Wiener Museumsquartier den ersten Strich bei seinem Bild setzte, entstand in Berlin und London simultan das - fast - gleiche Werk. Mit seinem Projekt «Long Distance Art» will der Wiener die Furcht vor Robotern nehmen und auf die positiven Aspekte der neuen Technologie hinweisen. Verbesserungen bei der Umsetzung des Versuchs wären allerdings noch vorhanden gewesen.

«Wie soll die neue Technik Einzug in unser Leben halten?», fragte der Künstler im Vorfeld der Aktion bei einer Pressekonferenz. Roboter seien zwar in erster Linie ein Werkzeug für Menschen, doch sie können laut Kiessling auch im künstlerischen Bereich sehr nützlich sein.

Als er also seinen Stift zum Zeichnen von porträtartigen Gesichtern anlegte, wurde jede kleinste Bewegung des 33-Jährigen von sensiblen Sensoren erfasst. Nahezu zeitgleich wurde das per Satellit an die fast drei Meter großen und mehr als 400 Kilogramm schweren elektronischen Arme nach Deutschland und Großbritannien weitergeleitet. Statt Autos zu bauen, sollten die mehr als 100 000 Euro teuren Industrie-Roboter nun ihre eigenen leicht abgewandelten Kunstwerke schaffen. Die Roboter wurden in Berlin am Breitscheidplatz und in London am Trafalgar Square aufgestellt. Mit einer Live-Schaltung waren alle Städte auch über Bildschirme miteinander verbunden.

Einige der Feinheiten von Kiesslings Originalbild gingen aber gleich zu Beginn sichtbar verloren. Feine Schattierungen wurden in den Parallel-Werken deutlich dunkler. Striche kamen hinzu, wo sie eigentlich nicht hinzu kommen sollten. Das scheint einkalkuliert gewesen zu sein: «Abweichungen waren von Anfang an Teil der Idee», sagte Kiessling.

Die Bilder sollten weniger Kopien als Klone voneinander sein. Trotzdem ist sich Kiessling sicher: «Es wird der Moment kommen, wenn die künstliche Intelligenz am gleichen Level wie die menschliche Intelligenz ist. Dann wird es wirklich spannend.»

Das Projekt wurde vom Wien-Tourismus initiiert. Die österreichische Bundeshauptstadt wollte mit dem Simultan-Werk auf ihre zeitgenössische Kunstszene aufmerksam machen. Laut ihren Aussagen handelt es sich dabei um eine Weltpremiere.

Das fertige Kunstwerk soll dann schließlich aus den drei Teilen bestehen, die jeweils in den verschiedenen Städten entstanden sind. So soll eine Reihe von verschiedenen Köpfen sichtbar werden, bei denen nicht mehr klar ist, wer sie nun tatsächlich gezeichnet hat: Mensch oder Roboter. Plan war, die einzelnen Bilder nach der stundenlangen Aktion zunächst nur virtuell über den Computer zusammenzufügen. In etwa einer Woche werden die Werke aus Berlin und London in Wien erwartet, wo sie dann auch tatsächlich gemeinsam ausgestellt werden.

«Long Distance Art»

Alex Kiessling

Live-Stream

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