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Trend im Buchhandel : Malbücher für Erwachsene: Albern oder entspannend?

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Kleine Kinder können im Kindergarten stundenlang ihre Mandalas und andere Bilder malen. Jetzt entdecken auch immer mehr Ältere das Kolorieren als Anti-Stress-Therapie.

shz.de von
erstellt am 05.Feb.2016 | 14:16 Uhr

Hannover | Es gibt kaum eine Buchhandlung, die nicht große Tische mit Malbüchern für Erwachsene dekoriert. „Der zauberhafte Garten“, „Blütentraum und Farbenzauber“ oder „Kreative Auszeit“: Bei Hugendubel in Hannover stapeln sich die Angebote verschiedener Verlage. „Die Malbücher sind so etwas wie das neue Yoga“, sagt Buchhändlerin Friederike Wilken. „Je filigraner die Zeichnungen sind, desto besser kann man abschalten.“

Ausmalbücher für Erwachsene sind ein Mega-Trend, bestätigt der Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Immer mehr Verlage greifen die Bewegung aus den USA, Großbritannien und Frankreich auf.

In der Buchhandlung sucht eine Kundin ein neues Malbuch für ihre 87-jährige Mutter. „Beim Stricken schmerzen ihre Schultern, aber das Ausmalen klappt noch gut“, berichtet die Frau, die ihren Namen nicht nennen möchte. Selbst in der Betreuung von Demenzkranken werden die Bücher inzwischen eingesetzt, erzählt Wilken. Aber auch Jüngere machen mit und laden ihre Kunstwerke auf Video-Plattformen im Internet hoch.

Ein Star der Szene ist die Schottin Johanna Basford, deren erstes 2013 erschienenes Malbuch sich millionenfach verkaufte. Viele Verlage setzen auf die bewährten Blumen- und Fantasymotiven. Wilken zufolge gibt es demnächst aber auch zum Beispiel einen Schwerpunkt Mode mit Designer-Roben zum Kolorieren.

Der Aachener Psychoanalytiker Micha Hilgers sieht das Ausmalen als eine Alternative zu anderen Entspannungsmethoden wie Sauna, Meditieren oder Puzzles legen. „Es geht darum, aus dem Alltag auszusteigen.“ Der Vorteil beim Ausmalen liege darin, dass man sich ablenke und zerstreue und deshalb möglicherweise keine unangenehmen inneren Bilder aufsteigen. „Manche rufen dabei auch das Versenkungsgefühl der Kindheit wieder hervor“, sagt Hilgers. Der Erfolg habe auch damit zu tun, dass der Trend gut vermarktet werde.

Der Münchner Verlag Edition Michael Fischer ist einer der Pioniere auf dem Gebiet. Im vergangenen Jahr waren 17 der 120 Neuerscheinungen Ausmalbücher. „Das Tolle ist: Jeder kann mitmachen, man muss nichts können“, sagt Programmleiterin Mareike Kreß. „Malbücher sind ein gelungener Ausgleich zu den hohen geistigen Anforderungen im Informationszeitalter - sozusagen eine kleine Flucht vor der digitalen Welt in eine analoge Kreative-Oase“, betont Carlo Günther, Verlagsleiter „Bewusst Leben“ bei Droemer Knaur.

Ein Vorläufer des Ausmalens war der Trend „Zentangle“. Dabei geht es um das Zeichnen von Mustern in Schwarz-Weiß. „Beim Zentangle kann man etwas Eigenes kreieren, trotzdem muss man nicht großartig nachdenken“, sagt die Hamburger Autorin Anya Lothrop, die sich zur Zentangle-Lehrerin ausbilden ließ. Sie meint: „Für mich wäre das reine Ausmalen nicht so eine Erfüllung.“

 

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