Mal hart, mal zart: Neil Young in Hamburg

Musik-Legende in der O2 World:Neil Young  Foto: Jazz Archiv Hamburg
Musik-Legende in der O2 World:Neil Young Foto: Jazz Archiv Hamburg

shz.de von
05. Juni 2013, 03:59 Uhr

Hamburg | Am Ende des zweieinhalbstündigen Soundgewitters in der Hamburger O2 World wird Neil Young dann fast ein wenig sentimental. Man möge doch bitte gut nach Hause kommen, wünscht der 67-jährige den gut 7000 Fans der "Crazy Horse"-Gemeinde.

Schmerz, Trauer, das Bewusstsein der eigenen Vergänglichkeit, dann aber auch wieder stoischer Trotz, Wut und die legendäre Unbequemlichkeit des Woodstockveteranen: Mit seiner eigentümlichen Symbiose aus zart und hart, filigranen Melodien und brachialen Gitarrengewittern hatte der Altmeister seine euphorisierten Fans zuvor in einen Rausch versetzt.

Young steht da wie ein Fels in der Brandung, ganz in Schwarz, lässig die Gitarre umgeschnallt und knarzt "Love and only love". Lange hatte Young die Garagenrocker seiner legendären Begleitband nicht mehr um sich geschart. Bis der notorisch unberechenbare Grantler im letzten Jahr mit der Folksongkollektion "Americana" und dem als spätes Meisterwerk gefeierten "Psychedelic Pill" gleich zwei Alben mit "Crazy Horse" herausbrachte. An der Seite von Gitarrist Frank Sampedro, Bassist Billy Talbot und Schlagzeuger Ralph Molina inszeniert die kauzige Rocklegende ein Inferno aus wummernden Bässen, aufjaulenden E-Gitarren und erbarmungslosem Feedbackgefiepe. Die bewusste Freude am Lärm, kongenial gepaart mit einer zerbrechlichen Melodie und fröhlich gepfiffenen Passagen zeichnet das epische "Walk like a giant" aus dem aktuellen Doppelalbum "Psychedelic Pill" aus.

Mit dem "Heart of Gold" und "Blowin in the Wind" als Verbeugung vor Bob Dylan zeigt sich dann für kurze Zeit der sanfte Folkbarde. Nach "Ramada Inn", einem neuen Stück über ein dem Alkohol fröhnendes Ehepaar, dürfen in "Fuckin up" die größtenteils angejahrten Zuschauer mit sichtlichem Vergnügen das "F-Wort" zelebrieren. "Youre just a fucker" gröhlt es auf Anleitung von Young durch die Halle, bevor sich der Meister mit dem Titelsong seines Debuts "Everybody knows this is the beginning" von 1969 mit kurzem Gruß davonstiehlt.

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