Museen : Lyonel Feininger und der Norden in Lübeck

'Marktkirche in Halle' von Lyonel Feininger in Lübeck.
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"Marktkirche in Halle" von Lyonel Feininger in Lübeck.

Lange Zeit wusste die Kunstwelt nichts von einer besonderen Beziehung des Malers Lyonel Feininger (1871-1956) zu Norddeutschland. Eine Ausstellung im Lübecker Museum Behnhaus Drägerhaus zeigt jetzt, dass die Städte und die Strände Norddeutschlands seine Arbeit nachhaltig beeinflusst haben.

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15. November 2013, 15:27 Uhr

Unter dem Titel «Lyonel Feininger. Lübeck-Lüneburg» zeigt das Museum Gemälde, Skizzen und Aquarelle mit Ansichten aus den heutigen Bundesländern Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Im Mittelpunkt steht des Bild «Lübeck. Alte Häuser», dessen Motiv erst jetzt eindeutig geklärt werden konnte.

Die Ausstellung verdankt ihre Entstehung den Zweifeln am Motiv dieses Bildes, das 1986 überraschend auf dem Kunstmarkt aufgetaucht war. Es zeigt in leicht kubistischer Verfremdung eine von mittelalterlichen Giebelhäusern gesäumte Straße. Fast 20 Jahre lang galt es als Ansicht der Lübecker Altstadt. Dann tauchte im Busch-Reisinger-Museum der Harvard-Universität in den USA eine Zeichnung des gleichen Motivs auf, bezeichnet mit «Lüneburg, 1929».

Doch der Besitzer des Bildes, ein Privatsammler, wollte sich mit dieser Aussage nicht zufrieden geben. «Glücklicherweise, denn die Nachforschungen haben nicht nur den Beweis erbracht, dass das Bild doch Lübeck zeigt. Sie haben auch wichtige Erkenntnisse über die Arbeitsweise Feiningers zu Tage gefördert», sagte der Leiter des Museums, Alexander Bastek. Letztlich geklärt werden konnte das Motiv durch den Vergleich der detailgenauen Darstellung mit historischen Fotos.

Feininger, der von 1919 bis 1926 am Bauhaus in Weimar und Dessau lehrte, reiste 1921 und 1922 nach Norddeutschland. Besonders in Lübeck skizzierte er eifrig Straßenansichten und architektonische Details. Die Stadt sei für ihn der «Inbegriff alter norddeutscher Backsteingiebel und Klamotten», schrieb er später in einem Brief an seine Frau. Von Lübeck aus reiste er weiter nach Timmendorfer Strand und Fehmarn, wo er am Strand Wolken und den Horizont skizzierte. Viele dieser Zeichnungen sind als Originale oder Kopien in der Lübecker Ausstellung zu sehen.

«Zu Aquarellen oder Gemälden wurden diese Studien erst viel später. Das Lübeck-Bild malte er erst 1931, parallel zu einer Serie von Auftragsarbeiten für die Stadt Halle», sagte die Kunsthistorikerin Silke Radke-Weber, die die Geschichte des Bildes erforscht hat. Mehr als 30 Jahre nach seinem Lübeck-Besuch griff Feininger noch einmal auf seine Lübeck-Studien zurück. Auch sein 1953 entstandenes und ebenfalls in der Ausstellung gezeigtes Aquarell «Shadows of Dissolution» («Schatten der Auflösung») zeigt die Lübecker Altstadtstraße. Doch die ehemals kräftigen Farben sind verblasst, die Konturen verschwimmen. «Feininger hat wohl bis zu seinem Tod Sehnsucht nach der mittelalterlichen Architektur Deutschlands, nach Fachwerk und Backsteingotik gehabt», sagte Bastek. Feininger, dessen Kunst von den Nazis als entartet verfemt wurde und der deshalb Deutschland 1937 verlasen musste, starb 1956 in New York.

Museum zur Feininger-Ausstellung

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