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Kunst : Ludwiggalerie findet das Haar in der Kunstsuppe

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Wer das Haar in der Kunst sucht, wird fündig werden: In Andy Warhols Marilyn Monroe ist es erst das grelle Blond, das sie zur Ikone macht.

shz.de von
erstellt am 19.Sep.2013 | 14:43 Uhr

In mittelalterlichen Heiligendarstellungen verstecken sich in der Petruslocke oder im fehlenden Bart des Johannes Hinweise, um welchen Apostel genau es sich handelt. Zeitgenössische Kunst macht das Haar gelegentlich gleich zum Arbeitsmaterial.

«Das Haar ist ein Thema, mit dem sich Künstler zu allen Zeiten beschäftigt haben - und das materialübergreifend», sagt Kuratorin und Museumsdirektorin Christine Vogt. Die Schau «HAIR!» ist das Ergebnis des Versuchs, zu einem Populär-Thema möglichst viele Exponate aus der Sammlung Ludwig, die in alle Welt verstreut sind, zusammenzutragen. «Es geht auch darum, zu sehen, was die Kunst vereint und was sie trennt», sagt Vogt. Alle 134 Werke widmen sich also - bewusst oder unbewusst - dem menschlichen Haar.

Rapunzel, Medusa oder das fliegende Haar der Venus: Wer die Kunst- und Kulturgeschichte auf haarige Geschichten abklopft, stößt auf Bezüge und Symbole, die kaum unter einen Hut zu bringen sind: So spielen Künstler seit jeher mit dem männlichen Bart als Machtsymbol oder nutzen rote Haarfarbe, um Frauendarstellungen, um Sündhaftigkeit zu signalisieren.

Im 19. Jahrhundert wurde menschliches Haar in Andenkenbilder eingearbeitet, die als Grabbeigaben verschenkt wurden: «Wenn der Rest von uns schon verwest ist: Das Haar ist noch da», erläutert Vogt. In biblischen Darstellungen zeugen Engelslocken von göttlichem Glanz. In der Neuzeit deutet der amerikanische Künstler Jeff Koons diese Puttendarstellungen um: In seiner Holzschnitzerei «Cherubine» aus dem Jahr 1991 verleiht ihnen der wilde Lockenkopf eher etwas Lausbubenhaftes.

Tilman Riemenschneider, Pablo Picasso, Andy Warhol oder Edvard Munch: Mit großen Namen lockt die Schau, die vom 22. September bis zum 12. Januar 2014 zu sehen sein wird. Und doch sind es eher Arbeiten weniger prominenter Zeitgenossen, die für Originalität sorgen.

Etwa Renate Frerichs Sammlung von Mitbringseln und Locken aus einem Münsteraner Frisiersalon oder «Elle» von Simon Schubert, bei der der Besucher nicht weiß, wo vorne und hinten ist. Das Gesicht der rotgewandeten Frau sucht man vergebens. Von wo man auch schaut: Um ihren Kopf fallen nur lange, blonde Haare.

Ausstellung HAIR!

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