Literaturhaus Schleswig-Holstein: Mehr Geld, mehr Programm

Martin Schulte ist Leiter der Kulturredaktion des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags. von
14. Januar 2015, 08:43 Uhr

Mit dem Rückenwind guter Publikumsresonanz 2014 und leicht aufgestockter Finanzen für 2015 startet das Literaturhaus Schleswig-Holstein schwungvoll ins neue Veranstaltungsjahr. „Neben dem Land, das seinen Förderbetrag um 3000 Euro anheben konnte, hat die Stadt Kiel ihre bisherige Unterstützung von 7800 Euro auf 15000 Euro nahezu verdoppelt“, sagt Wolfgang Sandfuchs erfreut. „Darauf kann man gut aufbauen“, so der Geschäftsführer – unter anderem mit Blick auf eine Neuauflage der Liliencron-Dozentur, die im Vorjahr entfallen musste.

Das Programm beginnt mit der Lesung von Kristof Magnusson. „Arztroman“ heißt die mit dem typischen Witz des Hamburgers ausgestattete Geschichte über den Alltag einer Notärztin, deren Beruf Einblicke in die unterschiedlichsten sozialen Milieus beschert (15.1.)

Um politische Brennpunkte geht es in drei weiteren Lesungen, beginnend mit der Syrerin Rosa Yasssin Hassan. Sie ist seit den 1990er-Jahren eine der wichtigsten Schriftstellerinnen und Frauenrechtlerinnen ihrer Heimat. Die 40-Jährige beschreibt in „Wächter der Lüfte“ die Erlebnisse einer jungen Frau, die bei ihrer Arbeit bei der Einwandererbehörde mit den Geschichten der Asylsuchenden konfrontiert wird (27.1.) Ein sechs Generationen umfassendes Familienepos stellt die gebürtige Georgierin Nino Haratischwili in ihrem Roman „Das achte Leben“ vor, für den die Wahl-Hamburgerin mit dem Grenzgänger Stipendium der Robert-Bosch-Stiftung ausgezeichnet wurde (9.2.). Ein literarischer Thriller über eine Freundschaft und die Grenzen der kulturellen Annäherung ist Sherko Fatahs Roman „Der letzte Ort“. Der Sohn eines irakischen Kurden und einer Deutschen erzählt darin von einem deutschen Aussteiger, der gemeinsam mit seinem Übersetzer im Irak entführt und der Willkür seiner Peiniger ausgesetzt ist (18.2.)

Der aktuellen Lyrik, im Vorjahresprogramm eher rar vertreten, widmen sich im Januar gleich zwei Veranstaltungen unter dem Motto „Lyrik im Gespräch“. Einer deutsch-spanisch-französischen Lyriknacht (19.1.) folgt ein Abend mit Christopher Ecker, der die besten Gedichte aus dem poetischen Nachlass des Amerikaners Thomas Disch (1940-2007) herausgegeben und übersetzt hat ( 28.1.).

Mit Michael Kleeberg ist Ende Februar ein so sprachmächtiger wie fabulierfreudiger Autor und Übersetzer zu Gast, der mit „Vaterjahre“ die Fortsetzung seines Romans „Karlmann“ (2007) präsentiert. Ein wenig in die Jahre gekommen, gewährt sein skurriler Protagonist Einblicke in das Leben eines modernen Jedermanns (24.2 Eutin, 25.2. Kiel). Wie sein Schriftstellerkollege Tilman Spengler seit 25 Jahren fester Bestandteil des deutschen Literaturbetriebs, ist Kleeberg auch dabei, wenn der Verein Literaturhaus Schleswig-Holstein seinen 25. Geburtstag feiert. Der Abend, der im Rahmen einer öffentlichen Diskussion den Literaturbetrieb unter die Lupe nehmen will, steht unter dem Motto „Literatur fördern: Was heißt und wie geht das?“ (26.2.)


Das komplette Programm:

www.literaturhaus-sh.de


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