Rendsburg als neuer Verwaltungssitz? : Landestheater: Zukunft mit einigen Unwägbarkeiten

Neuer Verwaltungssitz des Landestheaters? Die Kaiserliche Post in Rendsburg.
Neuer Verwaltungssitz des Landestheaters? Die Kaiserliche Post in Rendsburg.

Das Landestheater plant für kommende Spielzeiten – und wartet weiter darauf, wie sich der Gesellschafter Schleswig verhält.

shz.de von
09. Mai 2015, 08:56 Uhr

Es gibt eine Zukunft für das Landestheater. Das war die gute Nachricht gestern Abend, als der Generalintendant Peter Grisebach und der Aufsichtsratsvorsitzende Pierre Gilgenast die Ergebnisse und Perspektiven für die Landesbühne skizzierten. Die schlechte Nachricht war: Diese Zukunft ist zunächst begrenzt und auf einige Eventualitäten gebaut.

Den ganzen Nachmittag lang hatten sich gestern die Gesellschafter des Landestheaters in Rendsburg mit dem Gutachten der Münchner Unternehmensberatung Actori beschäftigt, einzelne Punkte umformuliert und den Konsens gesucht, den die Gesellschafter nun ihren politischen Gremien vorstellen – und auch verkaufen – müssen.

Es geht um zwei Szenarien: Das erste – und bevorzugte – basiert auf der Annahme, dass Schleswig zur Spielzeit 2020/2021 wieder über ein Theater verfügt, dass für alle Sparten, also: Musiktheater, Schauspiel, Tanztheater, Puppentheater, Sinfoniekonzerte, nutzbar ist. Das zweite Szenario geht davon aus, dass Schleswig als Gesellschafter ausscheidet. Für beide Szenarien gilt, dass Rendsburg ab der Spielzeit 2016/2017 alleiniger Produktionsstandort für das Schauspiel und außerdem Verwaltungssitz wird. Damit würden rund 70 Arbeitsplätze von Schleswig nach Rendsburg verlagert werden.

Im Gespräch als neuer Verwaltungssitz ist das historische Gebäude der Kaiserlichen Post. Für die Aufwertung des eigenen Standortes erhöht die Stadt Rendsburg ihren Gesellschafterbeitrag um 20 Prozent. „Ich habe aus der Politik positive Signale vernommen, dass sie dieser Erhöhung zustimmen wird“, sagte Gilgenast gestern in seiner Doppelfunktion als Aufsichtsratsvorsitzender und Rendsburger Bürgermeister. Die Beiträge aller anderen Gesellschafter sollen demnach auch bei einem Schleswiger Ausscheiden aus der Theater-GmbH nicht steigen. Laut Gutachten würde die Eigenkapitaldecker der Gesellschaft bis 2025/2016 ausreichen.

Zudem gibt es das Signal von Kulturministerin Anke Spoorendonk (SSW), dass die Erhöhung der Landeszuschüsse aus dem kommunalen Finanzausgleich um 1, 5 Prozent im Jahr auch über 2018 hinaus beibehalten werden könnte. „Das Landestheater hat Zukunft, wenn sich alle Gesellschafter zu diesem Zukunftsmodell bekennen“, sagte Spoorendonk gestern. Ihre Zusage ist allerdings mit einem nicht unbedeutenden Haken versehen – 2017 wird ein neuer Landtag gewählt.

Ein echter Wermutstropfen ist der geplante Abbau von bis zu 25 Arbeitsplätzen, von denen vier schon 2016/2017 wegfallen sollen und weitere 21 Stellen ab der Spielzeit 2019/2020. „Das ist für mich die bittere Pille in diesem Konzept“, sagte Grisebach, der gleichzeitig andeutete, die geplante Streichung der ersten vier Arbeitsplätze aufgrund verbesserter Zahlen doch noch abwenden zu können.

Trotzdem: Die Stimmung war verhalten optimistisch. „Unter diesen erschwerten Bedingungen sind die Aussichten positiv“, sagte Gilgenast, und es war ihm wie auch Grisebach dabei anzumerken, dass sie ihren Optimismus vorleben wollen, damit die übrigen Gesellschafter den Vorschlägen folgen – Schleswig wurde dabei ausdrücklich eingeschlossen. Durch die geplanten Maßnahmen sollen bis zur Spielzeit 2019/2020 1,7 Millionen Euro eingespart werden. Dieser Betrag würde sich reduzieren, wenn die Schleswiger Politik entscheidet, Gesellschafter des Landestheaters zu bleiben. Dann würden aus der Schleistadt wohl ca. 250  000 Euro fließen.

Bis dahin ist aber noch in kurzer Zeit viel Überzeugungsarbeit zu leisten. Am 26. Juni kommen die Gesellschafter zusammen, um über das Konzept abzustimmen. Bis dahin muss die Stadt Schleswig entscheiden, ob sie den Gesellschaftervertrag kündigt – und im Sommer 2019 endgültig die GmbH verlässt.

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