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Kuttel Daddeldu und die Frauen: Schau zum 130. Geburtstag von Joachim Ringelnatz

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erstellt am 07.Aug.2013 | 03:59 Uhr

Wurzen | Adelige, Wirtsfrauen, Geigerinnen, Diseusen - und die Stummfilm-Diva Asta Nielsen: Joachim Ringelnatz (1883-1934) hatte in der Damenwelt nicht wenige Kontakte. Doch war er ein Frauenheld? Nein, sagen ein Ringelnatz-Forscher und die Organisatorin der Schau "Die Frauen um Ringelnatz", Sabine Jung. Die Ausstellung wird heute, am 130. Geburtstag des Schriftstellers, Malers, Grafikers und Seemanns, in seiner Geburtsstadt Wurzen bei Leipzig eröffnet. Sie widmet sich 28 Frauen aus verschiedenen Gesellschaftsschichten. Allesamt hatten sie Brieffreundschaften mit dem sächsischen Multitalent, zu dessen Werk auch zahlreiche Liebesgedichte zählen.

Den Mann Ringelnatz zog es in die Gesellschaft vieler Frauen, den Seefahrer im Jahre 1901 als Schiffsjunge auf das Segelschiff "Elli". Von Hamburg aus bereiste er mehrere Monate lang die Welt. Im Anschluss arbeitete er als Aushilfe in Malferteiners Schlangenbude auf dem Hamburger Dom. Während seiner anschließenden Kaufmannslehre in Hamburg begann der Dichter zu schreiben und zu malen. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs zog es ihn wieder zur See. Er meldete sich freiwillig zum Dienst auf einem Minensuchboot.

Ende 1919 kam es, dass aus Hans Bötticher Joachim Ringelnatz wurde - unter diesem Pseudonym trug er als reisender Artist jahrelang überall seine Verse vor. Der Schöpfer vom Seemann "Kuttel Daddeldu" ist vor allem für seine satirisch-heiteren und oft grotesken Reime bekannt. Dabei sind seine Texte mitunter - hinter Ironie versteckt - erschütternd ernst.

Quer durch alle Schichten einte die Frauen die Bewunderung für einen ideenreichen, genial beobachtenden Schriftsteller und Dichter, erzählt Jung. Für seine Bohemien-Situation mit ewigen Geldnöten hätten sie allerdings nicht immer Verständnis aufgebracht. Grundlage für die Damen-Porträts in der Ausstellung sind die Briefe, die Ringelnatz ihnen geschrieben hat. "Wir sehen die Frauen aus seinem Spiegel", sagt der Göttinger Philologie-Professor Frank Möbus, der seit mehr als zehn Jahren über den Schriftsteller forscht. Zu den Exponaten zählen Hörstationen, alte Postkarten und Porträt-Fotos von fast allen der Damen. Am 4. Oktober 1916 schreibt Ringelnatz aus einer Cuxhavener Kaserne der Geigerin Tula Reemy: "Mich beglückt es, dass Du in trüber Stimmung Dich gerade an mich wendest, und ich wünschte Dir nahe zu sein, um Dich zu küssen und Dir Auge vor Auge etwas Liebes zu sagen. Tröste Dich über das, was Dir fehlt mit dem was Du hast."

Als Maler schuf Ringelnatz Ölgemälde, Aquarelle und Zeichnungen, die seit dem Zweiten Weltkrieg fast alle verschollen sind. 1933 erhielt der Humorist Auftrittsverbot, seine Bücher wurden beschlagnahmt, seine Malerei als "entartet" verleumdet. Der Künstler verarmte. Mit 51 Jahren starb er 1934 in Berlin an einer zu spät behandelten Lungentuberkulose.

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