Musentempel : Künstlertreff Schloss Wiepersdorf sucht neuen Weg

Das Schloss Wiepersdorf liegt inmitten eines denkmalgeschützten Landschaftsgartens.
Das Schloss Wiepersdorf liegt inmitten eines denkmalgeschützten Landschaftsgartens.

Im Schloss Wiepersdorf fanden jahrzehntelang Künstler Raum und Muße für ihre Arbeit. Doch nun zieht sich der Betreiber zurück.

shz.de von
11. Juli 2018, 11:51 Uhr

Einst war es der «Musentempel der Romantik», später Treffpunkt bedeutender Schriftsteller und Künstler der DDR: Schloss Wiepersdorf, 80 Kilometer südlich von Berlin gelegen, spielt im geistigen Leben Deutschlands eine besondere Rolle.

Nun sucht das Kulturministerium in Brandenburg nach einem neuen Betreiber für den einstigen Wohnsitz des Dichterpaars Achim und Bettina von Arnim im 19. Jahrhundert.

Vom 1. August an soll das Schloss wegen Sanierungsarbeiten geschlossen werden. Ein Weiterbetrieb als Künstlerhaus sei von 2020 an geplant, sagte der Sprecher des Kulturministeriums, Stephan Breiding. Auf Schloss Wiepersdorf lebten und arbeiteten bisher jedes Jahr von Frühling bis Herbst rund ein Dutzend Stipendiaten aus den Sparten Bildende Kunst, Literatur, Geisteswissenschaften und Musik.

Befürchtungen, das traditionsreiche Künstlerhaus könne aufgegeben werden, seien unbegründet, betonte Breiding. Das Kulturministerium wolle Schloss Wiepersdorf als eines von nur drei Künstlerhäusern in Ostdeutschland erhalten und weiterentwickeln.

Die Befürchtungen waren laut geworden, weil sich die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) als Betreiber des Künstlerhauses zurückzieht. Die derzeit im Schloss arbeitenden Stipendiaten hatten daraufhin auf einer Protestversammlung und mit einem öffentlichen Aufruf vor einem möglichen Aus für das Künstlerhaus gewarnt.

Zu DDR-Zeiten gehörten zu den Stipendiaten große Namen wie Christa Wolf, Anna Seghers, Arnold Zweig, Kurt Masur, Eva-Maria Hagen und Rolf Hoppe. Nach der Wende verbrachte im Jahr 1999 auch die weißrussische Schriftstellerin Swetlana Alexijewitsch dort einige Monate. Sie wurde im Jahr 2015 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet.

Die DSD hatte das Schloss im Jahr 2005 für einen symbolischen Euro übernommen. Mit einem Treuhandfonds in Höhe von 7,6 Millionen Euro samt dem Anteil des Landes an der ehemaligen Stiftung Kulturfonds sollte die DSD das Gebäude erhalten und bis zum Jahr 2019 für kulturelle und gemeinnützige Zwecke nutzen.

Doch rückläufige Zinserträge ließen einen wirtschaftlichen Betrieb mit den Stipendiaten nicht mehr zu, sagte Thomas Mertz, Sprecher der DSD. Die Erträge deckten gerade noch die Kosten für den baulichen Erhalt des Denkmals. Die Stiftung müsse den Stipendiatenbetrieb mit etwa 500 000 Euro subventionieren. «Diese Verluste sind für die Stiftung existenzbedrohend», betonte Mertz. Zudem sei der Auftrag der Stiftung der Erhalt von Denkmälern und nicht deren Betrieb. Daher müsse sich die Stiftung zum August 2018 aus dem Betrieb zurückziehen.

Für einen Weiterbetrieb müsste nun das Land eine Menge Geld aufbringen: Für das Jahr 2020 hat das Ministerium bereits 720 000 Euro für den Weiterbetrieb des Schlosses als Künstlerhaus angemeldet. Dieser Betrag sei laut einem Gutachten, das verschiedene Modelle untersucht habe, zur Fortführung des Betriebs jährlich notwendig, erläuterte Breiding. Doch ob das Geld auch fließt, muss der Landtag entscheiden.

«Wir werden die Zeit der Sanierung nutzen, um einen neuen Betreiber mit einem neuen Konzept zu finden», betonte der Ministeriumssprecher. Dies könnten andere Stiftungen, Privatpersonen oder Vereine sein. Mit einem neuen Konzept solle die «Strahlkraft des Hauses in die Gesellschaft» erhöht werden. Eine Auseinandersetzung mit aktuellen Themen könne etwa in öffentlichen Veranstaltungen geschehen.

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