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Ausstellungen : Künstlerscheiße in Dosen: Städel erinnert an Manzoni

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Sein Metier war die Provokation. Piero Manzoni (1933-1963) schuf «unfarbige» Bilder aus weißen Materialien. Er füllte Luftballons mit «Künstleratem» und bot Ausstellungsbesuchern signierte Eier zum «Kunstverzehr» an.

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erstellt am 24.Jul.2013 | 09:14 Uhr

1961 füllte er «Künstlerscheiße» in Dosen und verkaufte sie zum damaligen Goldpreis. Heute gilt der Avantgardist als folgenreichster Künstler der italienischen Nachkriegskunst.

Am 13. Juli 2013 wäre Manzoni 80 Jahre alt geworden. Das Frankfurter Städel-Museum widmet dem früh Verstorbenen die erste Retrospektive außerhalb Italiens seit mehr als 20 Jahren. «Piero Manzoni. Als Körper Kunst wurden» vereint bis 22. September Arbeiten aus allen Schaffensperioden. An den Wänden reiht sich ein «Achrome» ans andere: Aus weißbemalten Brötchen, Mullbinden-Röllchen, Flokati oder in Falten gelegten Stoff. Im inneren Kreis sind Relikte von Manzonis Kunstaktionen zu sehen: Zerplatze Luftballons, zerbrochene Eierschalen mit Fingerabdruck und eine geöffnete Dose.

Was die Behälter mit der Aufschrift «Merda d'artista» wirklich enthalten, ist bis heute ein Geheimnis. Martin Engler, Sammlungsleiter für Gegenwartskunst am Städel und Kurator der Ausstellung, hat über Manzoni promoviert. «Ich war überzeugt, dass das ein Fake war», sagte er am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa. Dann aber öffnete ein anderer Künstler eine der Dosen. Zum Vorschein kam ein in Watte verpackter zweiter Behälter. «Für Corned Beef hätte er sich nicht so viel Mühe gemacht.» Die innere Dose hat Englers Wissen zufolge bisher niemand geöffnet - schließlich werde Manzonis Künstlerscheiße auf Auktionen noch immer über 100 000 Euro gehandelt.

Spannend findet Engler Manzoni nicht nur als «Wegbereiter unserer Gegenwartskunst». Er habe Body Art, Performance, Konzeptkunst und Land Art gleichermaßen beeinflusst. Was ihn interessiert, ist das Körperhafte: Das Bild wird vom flachen Gemälde zum dreidimensionalen Körper, der Körper des Künstlers zur Produktionsstätte für Kunst.

Der Städel-Direktor Max Hollein nennt ihn einen «atemberaubenden Erneuerer des Kunstbegriffs, der auch heute kaum minder avantgardistisch erscheint». Eigentlich war für Manzoni die ganze Welt ein Kunstwerk. Das erste Objekt in der Ausstellung ist ein Quader mit auf dem Kopf stehender Schrift: «Sockel der Welt».

Ausstellung

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