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Ausstellungen : Künstlerinnen im Selbstakt in Bremen

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Paula Modersohn-Beckers «Selbstbildnis am 6. Hochzeitstag» von 1906 hat die Schau ausgelöst.

shz.de von
erstellt am 18.Okt.2013 | 15:31 Uhr

«Sie. Selbst. Nackt: Paula Modersohn-Becker und andere Künstlerinnen im Selbstakt» zeigt 55 Arbeiten aus Europa, den USA, Südafrika, China, Russland und Indien rund um die Vielfalt des weiblichen Blicks auf den eigenen Körper. Die Themenschau im Paula Modersohn-Becker Museum in Bremen sei die erste mit Selbstakten ausschließlich von Künstlerinnen, betont Kuratorin Verena Borgmann.

Bis zum 2. Februar 2014 läuft die Schau in fünf Themenräumen. Paula Modersohn-Becker (1876-1907) trifft auf die Österreicherin Xenia Hausner, die sich 1994 in ihrem Atelier hinter Farben und Pinseln inszeniert. Ihr Körper ist übersät von bunten Pigmenten. 30 Jahre zuvor hatte sich die Multimediakünstlerin und spätere Ehefrau von Beatles-Legende John Lennon, Yoko Ono, während einer Performance in New York die Kleider vom Leib schneiden lassen, bis sie fast nichts mehr an hatte.

Im Raum «Körperlichkeit und Körpergefühle» schockiert die größte Arbeit der Bremer Ausstellung: eine metergroße Fotografie der Britin Jenny Saville. An eine Glasscheibe gepresst, wirkt ihr üppiger Körper deformiert und abschreckend. «Es ist schön, dass es in unserer Ausstellung zu solchen Irritationen kommt. Wo bin ich? Finde ich das schön?», sagt Kuratorin Borgmann. Während Männer den weiblichen Akt gern idealisierten, sei der weibliche Selbstblick oftmals ehrlicher, ungenierter und radikaler.

Die Ausstellung zeigt, wie Künstlerinnen mit dem nackten Körper auch die eigene Seele entblößen. Das Selbstbildnis einer stillenden Lesbe mit Kurzhaarschnitt und tätowiertem Oberarm stellt klassische Marienbildnisse mit Jesuskind auf den Kopf. In die Haut dieser Provokateurin ist das Wort «pervers» geritzt. Auch die Britin Jo Spence bricht mit Tabus. Die 1992 verstorbene Fotografin hatte sich nach ihrer Brustverstümmelung das Wort «Monster» auf den Leib geschrieben.

Die chinesische Künstlerin Chengyao He erinnert mit «99 Needles» dagegen an das Leid ihrer Mutter. Die wurde in China geächtet, weil sie ein uneheliches Kind im Bauch trug. Nun lässt sich die Tochter in ihrer Performance so viele Akupunkturnadeln in den Körper jagen, bis auch sie zusammenbricht - ihre Art der Therapie.

Ausstellung

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