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Ausstellungen : Kokoschkas Tiere und Menschen in Rotterdam

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Er galt als Enfant terrible der Wiener Kunstszene zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Der Maler Oskar Kokoschka (1886-1980) inspirierte mit seinem expressionistischen Stil Generationen von Künstlern und gilt als einer der Erneuerer der Modernen Kunst.

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erstellt am 19.Sep.2013 | 15:13 Uhr

150 seiner Werke aus internationalen Spitzensammlungen zeigt das Rotterdamer Museum Boijmans Van Beuningen in einer großen Ausstellung. Darunter ist auch eines, das zuvor noch nie öffentlich ausgestellt wurde: die politische Allegorie «Private Property» von 1939.

«Oskar Kokoschka - Menschen und Tiere» (Oskar Kokoschka - Mensen en beesten) lautet der Titel der Schau in Rotterdam, die bis zum 19. Januar 2014 läuft.

Zum ersten Mal seit mehr als 50 Jahren ist in den Niederlanden wieder eine so große Zahl von Werken des Österreichers zu sehen. Bereits 1927 hatte der Maler selbst in Berlin seine Werke genau mit demselben Titel ausgestellt. «Doch merkwürdigerweise fanden gerade seine Tierbilder bis heute kaum mehr Beachtung», sagte die Konservatorin Beatrice van Bormann.

Dabei war er in seiner langen Schaffensperiode immer auch von den Tieren fasziniert. Katzen, Löwen, Vögel oder Hirsche malte er mit seinem expressiven Pinselstrich und in den kräftigen Farben, für die er weltberühmt wurde. Doch er gab den Tieren auch fast schon menschliche Züge.

Den «Mandril» etwa, ein riesenhafter Affe, malte er nachts 1926 im Londoner Zoo. Doch nicht etwa im Käfig, wie es der Wirklichkeit entsprach. Kokoschka gab dem Affen die Freiheit zurück und ließ ihn zumindest auf seiner Leinwand als wildes Tier in ein buntes Paradies zurückkehren.

Andererseits ähnelten manche seiner menschlichen Modelle auch Tieren - so etwa auf dem nun erstmals gezeigten Gemälde «Private Property». Kokoschka malte es im englischen Exil. Es zeigt eine Frau mit einem Katzenkopf, die sorgsam ihren Fischfang bewacht. Im Hintergrund spaziert eine alte Dame am Strand. Es war das erste Bild aus einer Reihe politischer Allegorien. Kokoschka wollte damit, wie er selbst später sagte, die Habgier der Menschen, aber auch die Gleichgültigkeit der Engländer gegenüber dem Kriegstreiber Adolf Hitler anprangern.

Die sehr großzügig eingerichtete Rotterdamer Ausstellung beleuchtet in den Werken Kokoschkas persönliche Sicht auf die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts, die Zeit der Weltkriege. Zu sehen sind erste Zeichnungen aus seiner Studentenzeit bis hin zu den Porträts seiner Freunde, Kollegen und berühmter Personen im Wien jener Zeit. Seine große und unglückliche Liebe zu Alma Mahler, der Witwe des Komponisten, war ein häufiges Thema. In den Bildern versuchte er auch diese gescheiterte Beziehung zu verarbeiten.

Oft waren seine Modelle mit seiner eigenwilligen Darstellung unzufrieden. Denn er hatte sie nicht sehr vorteilhaft, manchmal sogar tierisch und oft viel älter dargestellt. Doch er wollte in seinem Werk die Realität mit der Zukunft, wie er sie vorhersah, zeigen. Er wollte «die Aura des Menschen im Raum zeigen», wie er es ausdrückte.

So geschehen auch in seinem letzten großen Selbstporträt von 1971/72. Kokoschka malte sich selbst, wie er vom Licht ins Dunkel geht, halb gezogen von einer teuflischen Gestalt. «Time, Gentlemen Please» nannte er es ironisch - nach der Aufforderung englischer Barkeeper, die letzte Runde zu bestellen.

«Oskar Kokoschka - Mensen en beesten», 21.9. bis 19.1.

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