Karneval in ohne „Charlie-Hebdo“-Wagen : Kölner Jecken sind nicht Charlie

Das Siegermotiv zum Thema Meinungsfreiheit wird nun doch nicht als Karnevalswagen umgesetzt.
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Das Siegermotiv zum Thema Meinungsfreiheit wird nun doch nicht als Karnevalswagen umgesetzt.

Warum ein „Charlie-Hebdo“-Wagen nicht am Rosenmontagsumzug in Köln teilnehmen darf.

shz.de von
30. Januar 2015, 07:26 Uhr

Köln | Beim Rosenmontagszug feiern die Kölner Jecken, sie lachen, sie spotten über alles, was den Leuten gerade auf den Nägeln brennt. Auch nach dem Anschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ in Paris schien es, als könnte man die Mörder verspotten, ohne gegen die Opfer pietätlos zu wirken. Doch das Siegermotiv auf der Facebook-Seite des Kölner Karnevals – für das sich 2500 Fans ausgesprochen hatten – wird es nicht geben. „Meinungsfreiheit ist für den Kölner Karneval so wichtig wie die Luft zum Atmen“, begründete der Präsident des Festkomitees Markus Ritterbach die Entscheidung, einen solchen Wagen in den Zug aufzunehmen. Gerade mal eine Woche ist es her, dass die Abstimmung endete und verkündet wurde, der Buntstift-Jeck werde gebaut.

Das sah nach einer guten Lösung aus, ein bisschen „jetzt erst recht“, ein bisschen „wir haben keine Angst“, das Wir-Gefühl von „Je suis Charlie“. Aber dann, plötzlich, der Rückzieher. Es habe massenhaft Anrufe und Mails von Menschen gegeben, die sich nicht mehr trauten, zum Rosenmontagszug zu kommen, sagt Zugleiter Christoph Kuckelkorn. „Das muss man auch ernst nehmen. Wir sind nicht in erster Linie Satiriker, sondern Karnevalisten.“ Wohlgemerkt: Es „besteht und bestand keinerlei Risiko für den Kölner Rosenmontagszug, weder für Teilnehmer noch für Besucher – auch ausdrücklich nicht wegen des Charlie-Hebdo-Wagens“, teilte das Festkomitee unter Berufung auf Behörden mit. Nicht irgendeine Gefahr hat also den Buntstifte-Mann und seinen Wagen ausgebremst, sondern die Angst vor der Gefahr.

Jetzt ist die Enttäuschung groß bei allen, die sich auf das Signal für Meinungsfreiheit an Rosenmontag gefreut hatten. Spott bekommen plötzlich die Karnevalsfunktionäre selbst ab. Es gebe eben nicht nur Narrenmut, sondern auch Narrenfeigheit, ist auf der Facebookseite zu lesen.

Das Satireportal „Der Postillon“ schlägt ironisch vor, die Humorneutralität auszuweiten.

Auch bei Twitter wird die Entscheidung kritisiert, darunter auch Justizminister Heiko Maas.

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