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„Okja“ und „Meyerowitz Stories“ : Kinolobby vertreibt Netflix aus Cannes

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Netflix will seine Filme nicht in französische Kinos bringen. Das bedeutet ab 2018 das Aus für die Cannes-Teilnahme.

Mit zwei Produktionen ist Netflix beim diesjährigen Filmfestival in Cannes vertreten. „The Meyerowitz Stories“ von Regisseur  Noah Baumbach mit Adam Sandler, Ben Stiller, Emma Thompson und Dustin Hoffman. Und „Okja“ vom koreanischen Regisseur Bon Joon-ho mit Tilda Swinton.

Offizieller Netflix-Trailer von „Okja“

Netflix gilt als größter Disruptor in der Bewegtbild-Branche. So werden Unternehmen bezeichnet, die durch neue Technik und neue Ideen die Geschäftsmodelle ganzer Branchen aufbrechen. Der Streit um Cannes ist ein Musterbeispiel für den Kampf zwischen „alt“ und „neu“.

Die Filme seien von „großartigen Regisseuren und verdienen es, im Wettbewerb von Cannes gezeigt zu werden“, lobt Richard Patry die künstlerische Qualität der Filme. Die Nationale Vereinigung der französischen Kinos, der Patry vorsitzt, hat dennoch dafür gesorgt, dass Netflix ab dem nächsten Jahr nicht mehr in Cannes dabei sein wird.

Bilder von den Dreharbeiten zu „The Meyerowitz Stories“

Und das liegt an den Besonderheiten des französischen Kinosystems und der Stärke der dortigen Kinolobby. Um die Kinos zu schützen, dürfen Filme erst nach Ablauf bestimmter Fristen anderswo gezeigt werden. Für Streaming beträgt die Frist 36 Monate.

Würde Netflix also die Filme in französische Kinos bringen, dürften das Unternehmen die eigene Produktionen auf der eigenen Plattform in Frankeich erst 2020 zeigen. Dazu ist Netflix nicht bereit. „Es tut uns sehr leid, dass Netflix die Besonderheiten des französischen Marktes nicht verstanden hat“, sagt dazu Kino-Lobbyist Richard Patry trocken laut der „New York Times“.

Netflix-Chef Reed Hastings zeigte sich in einem Facebook-Posting angesäuert: „Das Establishment schließt die Reihen gegen uns.“ Ein Sprecher sagte laut „FAZ“: „Wir sind überzeugt davon, dass die französischen Kinofans unsere Filme nicht erst drei Jahre nach dem Rest der Welt sehen wollen.“

Klar ist, dass Netflix in anderen Ländern seine Filme sehr wohl auch in Kinos bringt. Der US-Start von „Okja“ etwa ist für den 28. Juni geplant, dem gleichen Tag wie der Streaming-Start auf Netflix.

Das Cannes-Festival selbst äußert sich diplomatisch: „Das Festival freut sich über einen neuen Anbieter, der in das Kino investieren will, möchte aber seine Unterstützung für die traditionelle Art der Präsentation von Kino in Frankreich und in der Welt beibehalten“, heißt es in einem Statement.

Amazon verhält sich laut „FAZ“ anders: Die Eigenproduktion „Manchester by the Sea“ (Regie: Kenneth Lonergan, Hauptdarsteller: Casey Affleck und Michelle Williams) werde in französischen Kinos gezeigt.

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erstellt am 12.Mai.2017 | 10:34 Uhr

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