Katja Riemanns Lust auf Poesie und Jazz

Live im  Berliner A-Trane: Katja Riemann.  Foto: Rother
Live im Berliner A-Trane: Katja Riemann. Foto: Rother

Schauspielerin setzt libanesischer Dichterin Etel Adnan (88) ein Denkmal / Mit Live-LP und Pianoevent feiert Label Edition Longplay Einjähriges

shz.de von
06. Mai 2013, 03:59 Uhr

Sylt/Schülp | Im aktuellen RAF-Kinofilm "Das Wochenende" heimst Katja Riemann zurzeit überragende Kritiken ein. Doch in der Brust der populären Schauspielerin schlägt seit langem noch eine andere Leidenschaft: Die 49-jährige hat eine Affinität zur Jazz-Musik. Ihr jüngstes Projekt ist seit kurzem "im Kasten": Eine Lesung mit Musik, live eingespielt im legendären Jazzclub A-Trane an der Berliner Bleibtreustraße.

Unter dem Motto "Hommage to the Poet of Libanon - Etel Adnan" würdigt Riemann gemeinsam mit Christopher Dell (Vibraphone), Magnus Schriefl (Flügelhorn, Trompete), Jonas Westergaard (Bass) und Ernst Bier (Schlagzeug, Perkussion) das Lebenswerk der 88-jährigen libanesischen Schriftstellerin und Malerin. Besucher der "documenta 13" dürften im letzten Jahr die Retrospektive für Adnan mit 87 Werken, zwei Tapeten, einem Buch und ihrem ersten Film vor Augen haben.

Initiator der Ehrerbietung an Adnan, Tochter einer Griechin und eines Syrers, die seinerzeit die katholische französische Mädchenschule im französisch kontrollierten Libanon besuchte, ist Rainer Haarmann. Für den Ex-Chef von JazzBaltica von 1991 bis 2011 ist die Einspielung mit Riemann auch ein Geburtstagsgeschenk: Vor einem Jahr hob der 69-Jährige das Schallplatten-Label Edition Longplay aus der Taufe. Unter "Edition Longplay 010" wird die Kooperation von Riemann und Adnan wohl noch in diesem Jahr veröffentlicht.

Damit verschafft Haarmann der Erfolgsgeschichte seines Vinyl-Labels in der Kombination aus Kunst und Jazz in 500er-Auflagen einen weiteren Höhepunkt. Standen bislang Studio- oder Live-Einspielungen von Jazz-Größen wie Don Friedman, Joe Locke, Martin Wind und Hank Jones im Fokus, setzt Haarmann der fast vergessenen Form "Jazz & Lyrik" ein Denkmal. Vorbilder sind Aufnahmen mit Texten von Heinrich Heine zur Musik von Attila Zoller (1966) sowie die Einspielungen von Michael Naura und Wolfgang Schlüter mit dem Autor Peter Rühmkorf (1976).

Die Begabung von Katja Riemann, mit ihrem unverwechselbaren Timbre und Rhythmusgefühl die Poesie von Etel Adnan in einem Geflecht aus Stimme und Tönen zu verquicken, sucht ihresgleichen. Die Adnan-Verse sind im Nautilus Verlag erschienen; www.edition- nautilus.de

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