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Archäologie : Kalkriese-Forscher nehmen Germanen in den Blick

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Im Norden ist das große Moor, im Süden der Kalkrieser Berg. Der perfekte Platz für einen Hinterhalt. Die Wege sind eng, ein Entkommen kaum möglich.

shz.de von
erstellt am 29.Aug.2013 | 07:43 Uhr

Hier ist der wahrscheinlichste Ort für eine der größten Niederlagen der römischen Militärgeschichte: Bei der Varusschlacht wurden die Truppen des römischen Statthalters Quinctilius Varus im Jahre 9 nach Christus vernichtend geschlagen von den Germanen unter der Führung von Hermann dem Cherusker. Mehr als 10 000 Männer und wohl auch einige Frauen wurden damals in einem Guerillakampf niedergemetzelt. Archäologen arbeiten seit einem Vierteljahrhundert daran, das Geschehen zu rekonstruieren.

Seit zwei Jahren versuchen die Forscher, neben der Schlacht auch die damalige Welt der Germanen zu untersuchen. «Hier war kein Urwald. Wir haben hier Hinweise auf ein intensives Siedlungsgeschehen», sagt Achim Rost, Archäologe an der Universität Osnabrück.

Die Verbindung der römischen mit der germanischen Geschichte mache die Forschung in Kalkriese aus archäologischer Sicht spannend, sagt Henning Haßmann vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege. «Germanien war ein aufgelockertes, dicht besiedeltes Terrain», erklärt Haßmann. Städte kannten die Germanen nicht, sie lebten in offenen Dörfern zusammen. Wenn sich auch die Römer nach der Varus-Niederlage militärisch aus Germanien zurückzogen, so gab es wohl doch weiter intensive Kontakte zwischen der antiken Supermacht und den germanischen Stämmen.

«Wir wissen, dass römische Händler richtig viel unterwegs waren in Germanien.» Eine militärische Besatzung hätte sich für die Römer wirtschaftlich letztlich nicht gelohnt und sei auch nicht notwendig gewesen. «Die Germanen waren einige Jahrhunderte lang keine Gefahr mehr», sagt Haßmann.

Die Forscher entdeckten in Kalkriese unter anderem Knochengruben. Wahrscheinlich wurden die toten römischen Soldaten erst einige Jahre nach der Schlacht vom römischen Feldherrn Germanicus bestattet. Die Germanen ließen ihre Opfer anscheinend auf dem Schlachtfeld zurück. Vermutlich, so Rost, hätten die Germanen ihre Opfer nach dem Kampf geplündert und die Ausrüstung der Römer teilweise verschrottet.

Leicht machen es die Germanen den heutigen Archäologen nicht. «Wir haben schon einige germanische Gehöfte nachgewiesen», sagt Wilbers-Rost. Aber: Eine genaue zeitliche Einordnung ist schwierig. Die Häuser der Germanen waren lehmverputzte Holzbauten, die nur einige Jahrzehnte lang bestanden. Dann wurde neu gebaut. «Wir haben Spuren von Herdstellen und Pfosten gefunden», so Wilbers-Rost. «Außerdem viele Scherben von Keramikgefäßen, die als Abfall in nicht mehr benötigte Gruben geworfen wurden, wenn sie zu Bruch gegangen waren.» Allerdings hätten die Germanen über mehrere Jahrhunderte ähnliche Gefäßformen getöpfert. «Die Keramik können wir nicht auf den Vormittag genau datieren», sagt Haßmann.

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