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Ausgezeichnet : Juli Zeh erhält Thomas-Mann-Preis 2013

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„Eine temperamentvolle und experimentierfreudige Erzählerin“: Die Schriftstellerin Juli Zeh bekommt den diesjährigen Thomas-Mann-Preis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und der Hansestadt Lübeck verliehen.

shz.de von
erstellt am 09.Dez.2013 | 08:40 Uhr

München | Die Schriftstellerin Juli Zeh ist mit dem diesjährigen Thomas-Mann-Preis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und der Hansestadt Lübeck ausgezeichnet worden. Die 39-Jährige sei eine temperamentvolle und experimentierfreudige Erzählerin, die in ihren Werken die Frage nach individueller Freiheit und Verantwortung, nach gesellschaftlichen Werten und Orientierungen in den Mittelpunkt stelle, hieß es bei der Preisverleihung am Sonntag in München. Die Auszeichnung ist mit 25.000 Euro dotiert.

Zeh studierte Jura und Literatur. Ihr 2001 erschienener Debütroman „Adler und Engel“ wurde in 31 Sprachen übersetzt. Neben Romanen und Kurzgeschichten veröffentlichte sie auch Kinderbücher, Hörspiele und Theaterstücke.

2004 war die gebürtige Bonnerin Inselschreiberin auf Sylt. Für das dazu gehörige Stipendium qualifizierte sie sich damals mit ihrem Text „Gezeitenwechsel“:  „Was ist denn: Was? Ist es die Stille, jedes Geräusch fremdartig gedämpft, als säße ich in einem Käfig aus Eierkartons? Ist es die Weite vor dem Fenster: Bis wo die Erde buckelt nur Wind und Wiesen und ringsum das Meer? Oder die Hitze in dieser Hütte, wo ein Gasofen allein gegen den Wind kämpft, der sich von draußen gegen dünne Holzwände lehnt? Woran es auch liegen mag – die Ruhe, die ich jagte, ließ sich nicht einholen. Die Verfolger, die ich abzuschütteln glaubte, brachte ich selber mit, festgekrallt an den Unterboden meiner Erinnerung. So wird man unfreiwillig zum Gedankenschlepper und schmuggelt die Pest bösartigen Kopfzerbrechens übers Meer, auf eine Insel, auf der man weit weg sein wollte, weit weg von überall.“

Damals würdigte die Sylter Jury Zehs Arbeits als „eine ungewöhnliche, literarisch überzeugende Annäherung an das Thema ,Gezeitenwechsel‘“. Nun begründete die Thomas-Mann-Preisjury die Auszeichnung der Schriftstellerin unter anderem mit den luziden Zeitdiagnosen, die ihr in ihren klug komponierten Romanen und präzise argumentierenden Essays gelängen.

Juli Zeh lebt seit 2007 im brandenburgischen Barnewitz. Neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit engagiert sie sich politisch. So schrieb die Schriftstellerin in diesem Jahr mit Kollegen einen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel, in dem sie eine „angemessene Reaktion“ von der deutschen Regierungschefin in Folge der NSA-Affäre forderte.

Die Auszeichnung ist aus dem Thomas-Mann-Preis der Hansestadt Lübeck und dem Großen Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste hervorgegangen. Sie wird seit 2010 abwechselnd in München und Lübeck verliehen. Bisherige Preisträger waren Christa Wolf, Jan Assmann und Thomas Hürlimann.

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