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Neo Magazin Royale : Jan Böhmermann parodiert Xavier Naidoos Hang zu Verschwörungstheorien

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ZDF-Satiriker Jan Böhmermann parodiert in der jüngsten Ausgabe seiner Sendung „Neo Magazin Royale“ den Musiker Xavier Naidoo und dessen Band „Söhne Mannheims“.

shz.de von
erstellt am 05.Mai.2017 | 13:38 Uhr

Mannheim | „Ich bin ein wahnsinniger Fan. Liebe Grüße, Xavier Naidoo“, sagt Jan Böhmermann schmunzelnd in die Kamera. Dann stellt er das angeblich neue Album des Musikers und dessen Band vor, den „Hurensöhnen Mannheims“. „Death to Israel“ laute der Titel der fiktiven Platte, die mit dem „Lutz-Bachmann-Preis“ ausgezeichnet worden sei, heißt es dann in einem Einspieler. Lutz Bachmann gilt als Initiator der fremden- und islamfeindlichen Organisation Pegida.

2006 war Naidoos Hit „Dieser Weg“ noch Deutschlands WM-Song - doch das Ansehen des Musikers ist stark gesunken, seitdem er wiederholt Verschwörungstheorien verbreitet hat. Für seine Anhänger ist die Kritik aber eher Wasser auf die Mühlen denn Anlass, sich mit den Aussagen näher zu beschäftigen. So berichten unter anderem Epochtimes und PI-News kommentierend über das negative Medienecho.

In dem Einspieler ist auch Jan Böhmermann verkleidet als Xavier Naidoo zu sehen, der Songs des Albums vorstellt. So etwa „Und wenn ein Lied“. Darin findet sich unter anderem die antisemtische Passage „Der Jud‘ ist schuld, das steht zu 100 Prozent fest.“ Eingeblendet werden zudem fiktive Stimmen angeblicher Kritiker wie Adolf Hitler, „Maler und Lebenskünstler“: „Ich bin ja kein Nazi, aber ich finde diese Platte echt stark.“

Mit einer Alu-Schiebermütze präsentiert Jan Böhmermann als Xavier Naidoo außerdem den Song „20.000 Chemtrails“ oder singt: „Dieses Land ist keine Republik. Der Ami lenkt.“ Beides zielt darauf ab, dass dem Musiker immer wieder vorgeworfen wird, Verschwörungstheorien und Anti-Amerikanismus zu fördern sowie den Reichsbürgern nahe zu stehen. 2011 hatte er im ARD-Morgenmagazin in Reichsbürger-Rhetorik erklärt: „Wir sind nicht frei. Wir sind immer noch ein besetztes Land.“ Die rechtspopulistischen sogenannten Reichsbürger erkennen Deutschland in seiner heutigen Form nicht als souveränen Staat an. Im aktuellen Song Marionetten zitiert er die Verschwörungstheorie „Pizzagate“, die im Internet über einen erfundenen Kinderpornoring fabulierte, in den die damalige US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton involviert gewesen sein soll.

Am Tag der Deutschen Einheit 2014 sprach Xavier Naidoo vor Reichsbürgern in Berlin. Dort verbreitete er unter anderem seine Ansicht zu den Anschlägen vom 11. September in New York: „Wer als Wahrheit hingenommen hat, was da erzählt wurde, der hat einen Schleier vor den Augen.“ Um den Anschlag ranken sich verschiedene Verschwörungstheorien. So zum Beispiel, dass die Türme bewusst gesprengt wurden, der Anschlag absichtlich nicht verhindert wurde oder statt Flugzeugen eine US-Rakete ins World Trade Center eingeschlagen sei.

Der Name Xavier Naidoo ist zudem in negativer Weise mit dem Eurovision Song Contest (ESC) verbunden. Der für den Wettbewerb verantwortliche Norddeutsche Rundfunk (NDR) wollte Xavier Naidoo 2015 als Kandidaten entsenden, zog seine Nominierung nach heftiger öffentlicher Kritik aber wieder zurück.

Antisemitische Texte, Pegida-Rhetorik – das seien Dinge, die mit Xavier Naidoo in Verbindung gebracht würden, sagt Jan Böhmermann. Er sei aber ein wahnsinniger Fan, ergänzt er ironisch. Der Satiriker geht auch auf das Lied „Marionetten“ ein, das tatsächlich auf dem neuen Album („Mannheim“) der Söhne Mannheims zu finden ist. In den Lyrics heißt es: „Wie lange wollt ihr noch Marionetten sein? Seht ihr nicht, ihr seid nur Steigbügelhalter. Merkt ihr nicht, ihr steht bald ganz allein. Für eure Puppenspieler seid ihr nur Sachverwalter.“ Eine Zeile, wie sie auch auf einer Pegida-Demonstration erklingen könnte. Über Politiker heißt es zudem: „Teile eures Volks nennen euch schon Hoch- beziehungsweise Volksverräter.“

Wegen dieser heftigen Politikerschelte gibt es auch abseits des satirischen Umfelds vom „Neo Magazin Royale“ Ärger um die Söhne Mannheims. Die Stadt Mannheim kritisiert den Text und wirft der Band „antistaatliche Aussagen“ vor.

Sänger Henning Wehland sagte zu dem Lied am Rande des Tourstarts: „Ich verstehe das Lied als Appell zum Nachdenken darüber, dass Politik oft missbraucht wird. Und da wollen wir – mit zugegeben überzeichneten Worten– aufrufen, etwas dagegen zu tun.“ Der Song sei sicherlich provokativ und zugespitzt, meinte Band-Mitglied Rolf Stahlhofen. „Ich kann verstehen, dass da manche aufschreien. Aber das Lied ist kein Aufruf zur Gewalt, es ist ein Aufruf zum Dialog“, sagte der Sänger.

Im Streit um das Lied haben sich die Band und der Mannheimer Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD) auf ein klärendes Gespräch geeinigt. Der Politiker habe die Einladung der Band um Sänger Xavier Naidoo zu einem Treffen „möglichst in den nächsten Tagen“ angenommen, sagte ein Sprecher der nordbadischen Stadt am Mittwoch. Den genauen Termin wollten beide Seiten nicht mitteilen.

Die Band hat Anfang der Woche ihre Tournee durch Deutschland, Österreich, Luxemburg und die Schweiz gestartet. Zum Tourauftakt spielte das Künstlerkollektiv aus rund 20 Musikern das Lied „Marionetten“ nicht.

(mit dpa)

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